Die russische Zollpolitik und die orientalische Frage. 145
die ganz außerordentlichen Erhöhungen der Einfuhrzöllein den nordamerikanischen Freistaaten haben seiner Zeitunfern Handel viel mehr geschädigt, als jetzt die russischenErhöhungen, weil in den amerikanischen Freistaaten früherein viel richtigeres System stattfand. In unfern russischenBeziehungen ist die Schädigung schon eine alte, langebestandene, die ebenso sehr den russischen Interessententrifft wie den deutschen. Aber ich möchte sagen, eskonnte sehr viel schlimmer, als es schon war, dort kaumwerden. Als in Amerika ein ganz außerordentlicherRückschlag kam, hat sehr verständiger Weise niemand derdeutschen Regierung etwa zugemutet, „etwas zu thun".
Der Herr Vorredner sagte also, er berührte dieeinzigen beiden Mittel, die in solchen Verhältnissen an-wendbar sind, einmal auf politischem, zweitens auf wirt-schaftlichem Gebiete, und ich bedaure, daß er beide Ge-biete vollständig vermischt hat. Ich werde nachher daraufkommen, warum das politische von dem wirtschaftlichenganz getrennt zu halten ist und ihm ganz fern liegt.Ich will nur auf dem wirtschaftlichen Gebiet konstatieren,daß der Herr Vorredner selbst die Hilfe, die da liegenkönnte, weit von sich wies, das heißt Gegenzölle, Retor-sionen — daß beispielsweise, wenn die russischen Zölleunsre Haupteinfuhrartikel beschweren und hindern, wirdie russischen Haupteinfuhrartikel in Deutschland ebenfallszu treffen suchen. Das, was bei uns getroffen wird,sind in erster Linie und zwar in stärksten Posten Kolonial-waren. Nach den Durchschnittsberechnungen, die vomJahre 1874 mir vorliegen, die aber auf den amtlichenstatistischen Nachrichten beruhen, haben wir für Kolonial-waren jährlich für etwa 54 Millionen nach Rußland ein-geführt. Wenn die nun einer so viel höheren Besteuerung
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