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8 (1889) Weitere Entwickelungen in Reich, Staat und Kirche 1875 - 1877
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Meinungsverschiedenheiten im Ministerium. 125

daß das preußische Handelsministerium ihm helfen würde, das aus-zuführen, was die Reichsverfafsung vorschreibt? Kann man einengrößeren Vorwurf gegen einen Kollegen erheben, gegen ein Glieddesselben Ministeriums, vor der Landesvertretung, vor dem Lande,als dieser ist?" Fürst Bismarck erwiderte darauf:

Bei der annähernden Erschöpfung der sachlichenDebatte halte ich mich für verpflichtet, Ihre Zeit miteiner Verlängerung derselben nicht in Anspruch zu nehmen,und will nur auf eine persönliche Anregung des HerrnAbgeordneten Virchow antworten. Derselbe hat gesprochen,wie mir schien, unter dem Eindruck einer lebhaften Be-sorgnis über inneren Zwiespalt in dem jetzt bestehendenMinisterium, und ich halte es für meine Pflicht, und ichglaube, er wird es mir Dank wissen, wenn ich ihn dar-über so schnell wie möglich beruhige. Namentlich zwischendem Herrn Handelsminister und dem Ministerpräsidentensind Meinungsverschiedenheiten über diese Angelegenheit,seit sie überhaupt im Staatsministerium verhandelt ist,gar nicht hervorgetreten; wir haben jederzeit dieselbeAuffassung vertreten und sind vollständig einig, wir wün-schen es aber auch zu bleiben, und ich namentlich in derErinnerung daran, — der Herr Abgeordnete hat dawahrscheinlich bloß die Zeit, die vergangen hinter unsliegt, mit der Gegenwart verwechselt — mich nicht immerin der Gesamtauffassung so völlig im Einverständnis be-funden habe. Gerade weil wir einig zu bleiben wünschenund die Elemente zwiespältiger Auffassung beseitigen wollen,haben wir dieses Gesetz eingebracht, nicht ausschließlichdeshalb, aber es ist einer der Gründe. Es ist ja ganzunmöglich, daß, wenn von zwei verschiedenen Stellen,aus verschiedenen Beamten bestehend, eine konkurrierendeAufsicht ausgeübt werden soll, auch wenn beide mit der-selben Treue und Hingebung nicht nur demselben Monarchen