114
Die Landtagssession von 1876.
Die Thatsache ist immer geblieben, daß der fak-tische Einfluß des Königl. preußischen Handelsministe-riums auf die gesamte Entwickelung und Gestaltung desdeutschen Eisenbahnwesens ein stärkerer ist, als der desReichsministeriums trotz allem, was darüber in der Ver-fassung steht; es hat ebendas Recht der territorialenAufsicht mit seiner Exekutivgewalt, und der Besitz einesgroßen Eisenbahnkomplexes, der eine magnetische Ein-wirkung auf andre Schienenwege ausübt, sich doch alssehr viel stärker erwiesen, als die theoretischen Verfas-sungsrechte, welche dem Reiche verliehen worden sind.Diesen Zustand zu bekämpfen, die Entwickelung auch inden einzelnen wirtschaftlichen Teilen, die Entwicke-lung eines Großpreußentums zum Nachteilder Reichsautorität zu bekämpfen, ist einePflicht, die mir als Reichskanzler obliegt.Ich kann dabei auch nicht sagen, daß die preußischeEisenbahnpolitik — der jetzige Handelsminister*) ist erstseit kurzem mit ihr befaßt — aber in den früheren Sta-dien, mit Ausnahme der Zeit, wo der Minister v. d. Heydtsie leitete, im ganzen eine glückliche gewesen ist. Siehatte vollkommen freie Hand, schon zu den Zeiten, wodie Freiheit der Hand nicht einmal durch parlamentarischeBeschlüße beengt war, und da waren vielleicht die In-tentionen doch noch staatsmännischer in Bezug auf dieEtsenbahnpolitik, wie aus dem Jnnehalten der alten Ge-setze noch schüchtern hervorleuchtet. Es ist daraus einZustand der Zerrissenheit hervorgegangen, dem ich dochnoch andre Seiten abgewinnen muß, als die idealenWirkungen der Konkurrenz und die Initiative der Ver-
*) vr. Achenbach, ernannt 13. Mai 1873.