88 Die Landtagssession von 1876.
die Gewißheit hätten, einstweilen ihr kleines Gemein-wesen sür sich zu behalten, wenn sie vor die Wahl ge-stellt wären: sür eine Provinz müßt ihr euch entscheiden,sür Hannover oder Schleswig-Holstein, so vermute ichbeinahe, daß die Mehrzahl des Landes, die an Volks-versammlungen nicht teilnimmt (Heiterkeit), sich wahr-scheinlich für Hannover erklärt haben würde.
Also ich möchte vorschlagen: belassen Sie es nocheinstweilen bei dem, wie es jetzt ist, weil, wenn es ge-ändert wird, ich doch notwendigerweise erst in Beratungmit den lauenburgischen Ständen darüber treten müßte,ob sie dem freiwillig beitreten oder nicht. Die lauen-burgischen Stände nun schon heute ausschließlich derSouveränität der preußischen Gesetzgebung zu unterwerfen— meine Herren, ich glaube, den Anspruch werden Sie'nicht erheben. Es wäre unbillig gegen ein kleines schwachesLand gehandelt, das mit Ihnen paktiert. Also, mochteich sagen, vertagen Sie die Frage bis zur Einführungeiner Provinzialordnung in Schleswig, resp. in Han-nover, warten wir ab, was dann die Kreis- oder Lan-desvertretung von Lauenburg dazu sagen wird, und Siesind dann ebenso souverän in der Gesetzgebung, wie Siees heute noch nicht vollständig sind. Noch steht Lauen-burg in Unabhängigkeit.
Der Abgeordnete Virchow legte nunmehr einen neuen An-trag vor: „Der Anschluß des Herzogtums an eine der preußischenProvinzen wird durch ein späteres Gesetz geordnet werden". FürstBismarck widersprach auch diesem Anträge:
Ich glaube, der Herr Vorredner hat zu gunsten seinesAntrages eine Besorgnis bezüglich der Zukunft angerufen,die ich nicht teile. Ich glaube nicht, daß auf seiteu desHerzogtums Lauenburg oder auf Seite der Negierung