78 Die Reichstagssession von 1878—76.
welche die christliche Gesinnung nicht bloß als Aushänge-schild für politische Zwecke brauchen — wenn wir allezusammenhalten in einer Ligue gegen die Schlechtigkeiten,die ich eben bezeichnet habe, und sie verfolgen, jeder vorseiner Thür, und sie einmütig in Bann halten, so werdenwir mehr erreichen als mit dem Strafrichter! (LebhaftesBravo!)
Der Inhalt einer Anzahl von Gegenbemerkungen des Ab-geordneten Windthorst ergibt sich aus nachstehender Wiederlegungdes Fürsten Reichskanzlers:
Ich kann trotz der vorgerückten Stunde doch nichtalles ohne Erwiderung lassen, was der Herr Rednergesagt hat.
Zunächst hat es mich angenehm berührt, daß ichmich in so vielen Punkten im Einverständnis mit ihmbefinde und namentlich auch in dem letzten, daß es wün-schenswert sei, den Ton in der Presse in Bezug auf Per-sonen zu mäßigen und auf ein anständiges Niveau zubringen. Ich darf also hoffen, daß — wenn das nament-lich in den Blättern, die der Partei des Herrn Vorred-ners angehören (Heiterkeit), geschähe, — ich sehr vielweniger Strafanträge in Zukunft zu stellen haben werdewegen persönlicher Beleidigung. Ich wiederhole aber,daß ich jeden Strafantrag stellen werde, wo ich mich be-leidigt fühle, weil ich nur durch dieses Mittel von meinerSeite zum Erziehen des guten Tons in der Presse bei-tragen kann.
Schmerzlicher dagegen hat es mich berührt, daß derHerr Vorredner von der ihm. wie es scheint, liebgemor-denen Ueberzeugung, daß wir im vorigen Jahre den Krieggewollt Hütten, oder doch, daß die Welt uns dessen wenig-stens verdächtigt, nur so schwer losreißen kann, und daß