34 Die Reichstagssession von 1875—76.
jedem Zeit und Raum gönnt, seine Verhältnisse zur Vor-lage zu erwägen, dazu beitragen wird, der Diskussiondes Ganzen einen ruhigen Verlaus zu gewähren. Daßwir die Vorlage überhaupt machen, beweist Ihnen schon,daß innerhalb der verbündeten Regierungen — für die,wie gesagt, diese Diskussion ja vielleicht viel dornen-reicher ist, als das ruhige passive Abwarten der Ent-wickelung der Zustände, bis vielleicht manche Uebelständenoch schärferund allgemeiner hervortreten, so daß sie inner-halb der Parteien und der Fraktionen das Bedürfnis,nur ihren Standpunkt zu wahren, — eins der unfrucht-barsten, aber eins der dringlichsten Bedürfnisse — endlichüberragen und dem praktischen Bedürfnis, in unsermStaatsleben Schutz und Frieden zu haben, den Sieg ver-schaffen über das Bedürfnis, unsre Einrichtungen nachden Anforderungen der Wissenschaftlichkeit zu regeln, —ich möchte sagen, die Bequemlichkeit, die Wohnlichkeit,die Sicherheit des Gebäudes der Schönheit der Fassade,der wissenschaftlichen Fassade unterzuordnen; es ist daseine politische Richtung, für die ich nie in meinem ganzenLeben Sympathie gehabt habe, und wenn ich mich vonJugend auf in juristischen und wissenschaftlichen Theorienauf Wahrung meines Standpunktes hätte beschränkenwollen, so, glaube ich, wäre es mir nicht beschieden ge-wesen, eine irgend bemerkbare Rolle in den Ereignissender letzten Jahrzehnte zu spielen.
Ich will sachlich nur dem Gedanken entgegentreten,dem der Herr Vorredner einen ziemlich scharfen Ausdruckgab, daß der Ruf der Milde des Strafrechts ein Märchensei: im Lande bestehe darüber andre Meinung. Ichglaube, das, was er zur Begründung seiner Ansicht an-führte, daß stellenweise das Reichsrecht Verschärfungen