18 Die Reichstagssesston von 1878—76.
Masse der Staatsbedürfnisse durch indirekte Steuern auf-gebracht wird. Die indirekten Steuern.... was auchtheoretisch darüber gesagt werden mag — faktisch ist,daß man sie weniger fühlt. Es ist schwer zu berechnen,wieviel der einzelne bezahlt, wieviel auf andre Mit-bürger abgebürdet wird. Von der Klassensteuer weiß erganz genau, was auf ihn kommt, und es ist so wunder-bar, wenn man bei indirekten Steuern mit einem Mit-leid, was ich mir früher einmal als heuchlerisch zu be-zeichnen erlaubte*) — ich will den Ausdruck heute nichtwiederholen, um nicht denselben Unwillen zu erregen —von der Pfeife des armen Mannes, von dem Licht desarmen Mannes spricht und demselben armen Manneseine Lebenslust, seinen Atem besteuert, — denn diedirekte Steuer muß er zahlen, so lange er atmet; wenner stirbt, ist er frei — bei direkter Steuer wird nichtdanach gefragt: kannst du deinen Trunk Bier unter Um-ständen entbehren? kannst du weniger rauchen? kannstdu die Beleuchtung des Abends einschränken? sondern ermuß sie zahlen, er mag Geld haben oder nicht, er'magverschuldet sein oder nicht. Und was das schlimmste ist,es folgt die Exekution, und nichts wirkt auf die Gemütermehr als das Exequieren von Steuern wegen wenigerGroschen, die für den, der sie zahlen soll, augenblicklichunerschwinglich sind; der Groschen ist gleich einer Millionfür den, der ihn nicht hat und ihn nicht im Augenblickder Fälligkeit erschwingen kann, und der sich sagt, so undso viel kriegt dieser Beamte Gehalt, so und so viel gehtauf unnötig scheinende Ausgaben, und ich werde hier um
*) In der Rede vom 21. Mai 1869; vgl. Band IV dieserSammlung, S. 264 u. f.