16 Die Reichstagssession von 1875—76.
ungemein lebenskräftigen Weise. Also das Unglück, dasReich zu zerstören, ist für unsre deutsche patriotischeEmpfindung ein außerordentlich schweres; aber materiellist eine Wiederherstellung einer dem alten Bundesver-hältnis ähnlichen Einrichtung vielleicht für jeden aus-zuhalten, der nicht etwa selbst Bundestagsgesandter ge-wesen ist. (Heiterkeit.)
Ich sage dies nur, um Sie zu bitten, das Reich inseinen Institutionen nach Möglichkeit, auch in den kleinenDingen, zu schonen und zu pflegen und denen, die sichüberbürdet fühlen und, wie ich glaube, mit Recht über-bürdet fühlen, etwas mehr Liebe und Schonung und nichtdie rein theoretische Härte entgegenzutragen.
Ich kam über meine Gemütsbewegung gegen parti-kularistische Bestrebungen von der Frage der Reform ab,um Ihnen zu sagen, wie ich sie verstehe. Ich glaube,daß ich die Pflicht habe, meine Meinung darüber dar-zulegen, und daß ich vielleicht gegen manches Ueber-zeugung anstoße, wenn ich mich von Hause aus wesent-lich für Aufbringung aller Mittel nach Möglichkeit durchindirekte Steuern erkläre und die direkten Steuern füreinen harten und plumpen Notbehelf, nach Ähnlichkeitder Matrikularbeiträge, halte, mit alleiniger Ausnahme,ich möchte sagen, einer Anstandssteuer, die ich von dendirekten immer aufrecht erhalten würde, das ist die Ein-kommensteuer der reichen Leute — aber wohlverstandennur der wirklich reichen Leute. Die heutige Einkommen-steuer, wie sie bis zum Vermögen von 1000 Thalerngeht, trifft nicht bloß reiche Leute. Es gibt Lagen desLebens, in denen man mit 1000 Thalern wohlhabendist, das ist richtig; es gibt aber auch Lagen, in denenman mit 1000 Thalern sehr gedrückt und geniert lebt.