Druckschrift 
Bd. 13 (1879) Metternich - Ostindien
Entstehung
Seite
831
Einzelbild herunterladen
 

831

Ostgothcn u. Ostgothisches

tigsten Herrengeschlechtes. Edzard (Hl.) I. wurdevon dem größten Theil der Bewohner O-s als Herranerkannt; er besaß auch Berum, Aurich u. Stick-hausen. Seinen Brüdern. Nachfolger Ulrich I. er-hob Kaiser Friedrich III. 1454 mit allen seinen Nach-kommen in den Rcichsgrafenstand n. belehnte ihn mitO., dem Butjadinger- u. Stadingerland, Jever rc.Arge Kämpfe folgten nun mit den Häuptlingen undmit Oldenbnrg's Grafen. Ihm unterwarfen sich dieanderen ostfriesischen Herren. Seinem älteren SohneEnnon 14661491 folgte der jüngere, sein BruderEdzard (IV.)II., O-s größter Fürst, 14921528,der viele Kriege mit den Nachbarn hatte, u. a. 1514einen (Friesischer Krieg) gegen Herzog Heinrich vonBraunschweig wegen Bntjading, welches er mit Sta-dingerland verlor. Er erwarb die Anwaltschaft aufJever. ErhalfdemKönig Karl I. von Spanien indemGeldernschen Kriegen, wurde deshalb von demselbenzum Gouverneur von Groningen ernannt. 1515 ließer das Ostfriesische Gesetz sammeln, führte das Rechtder Erstgeburt ein, begünstigte die Reformation inseinen Staaten u. nahm selbst 1519 die LutherischeLehre an. Sein Enkel Edzard (V.) III., 1540 bis1599, erlangte unter Vormundschaft seiner Mutterdurch Verzicht Hamburgs Emden, kam aber, als derKaiser Ferdinandl. trotz der Primogenitur auch die b ei-den Brüder des Grafen mit der Grafschaft belehnte,mit diesen mehrfach in Streit u. in den Bürgerkriegender Niederländer war O. oft der Tummelplatz beiderParteien. Enno (V.)III., sein Sohn, 15991625,schloß 1611 mit den Ständen den Vergleich (Accord)von Osterhusen, das wichtigste Document der Ge-schichte O-s; derselbe blieb noch unter der preußi-schen Regierung Fundament der ostfriesischen Ver-fassung. DerDreißigjährigeKriegverheerteO. sehr;der Graf von Mansfeld fiel 1622 in O. ein, weilEnno ein Bününiß mit dem spanischen General Spi-nola gemacht hatte. Unter der Regierung seines Soh-nes Rudolf Christian rückte 1627 ein kaiserlichesHeer unter Gallas in O. ein u. blieb 4 Jahre-da-selbst, u. unter seinem Bruder Ulrich H. 1628 bis1648, kamen nach Abzug der kaiserlichen 1637 Hessen-kasselsche Truppen, welche 13 Jahre blieben, überderen Unterhaltung der Graf mit dem Lande wiederim Streit kam. Sein Sohn Enno Ludwig, bis1 651 unter der Vormundschaft seiner Mutter Juliane,geb. Landgräfin von Hessen-Darmstadt, wurde vomKaiser Ferdinand III. 16b4inden persönlichenReichs-sürstenstand erhoben u. dessen Bruder Georg Chri-stian, April 1662 zum erblichen Reichsfürsten creirt,legte endlich die Streitigkeiten mit Emden wegendessen Beitrag zu den Lasten des Landes n. des Be-satzungsrechtes durch den Vergleich zu Emden 4. Oct.1663 bei; er ließ sich 18. Nov. 1663 von der Stadtu. 29. März 1664 von den Ständen huldigen. UnterChristian Eberhard,des Vor. Sohn, 1665 bis1708 (bis 1690 unter der Regentschaft seiner staats-klngen Mutter, Christine Charlotte vonWürttemberg;s. Christine 6), wurde 1667 dem Fürstenthum O. der54. u. 55. Platz auf den Reichstagen angewiesen, aufdem Westfälischen Kreistage erhielt es den 18. Platz.Christian Eberhard, 1690 mündig geworden, schloßin diesem Jahre eine Erbverbrüderung mit Braun-schweig-Lllneburg.dieder Kaiser aber nicht bestätigte.Mit seinem Enkel entspann sich zwischen dem Fürstenu. den Ständen bes. der Stadt Emden, wieder Streit

Reich in Italien Ostia.

wegen des Rechts fremde Truppen einzunehmen.Obgleich 1729 Sachsen u. Braunschweig diesen, mitgegenseitigen Thäilichkeiten begleiteten Streit undBürgerkrieg beilegten, so wurde doch die Einigkeitzwischen dem Fürsten n. den Ständen nicht wiederhergestcllt. Mit Georg Karl Edzard, seit 1734Fürst, starb das Hans der Fürsten von O. 25. Mai1744 aus. Ansprüche ans die Erbschaft machten dieGrafen von Wied-Runkel, Kaunitz und Liechtensteinwegen Verwandtschaft, des Verstorbenen Tante Frie-derike Wilhelmine, u. Brannschweig-Lüneburg wegender Erbverbrüdernng von 1690. KaiserLeopoldhattelO.Dec. 1694 dem KnrhanseBrandenbnrg die Snc-cession in O. versprochen u. der Kaiser Joseph 1706und Karl VI. 1715 dieselbe bestätigt. Daher wurde1. Juni 1744 Anrich von einem preußischen Corpsunter dem Grasen von Neuwied im Namen des Kö-nigs Friedrich II. von Preußen besetzt u. 23. Junihuldigte das Land dem Könige. Er ließ O. seinealte Ständeverfassung, die Stände verwalteten dieStaatseinkünfte, gaben dem Könige aber eine Civil-liste; Friedrich dachte einmal, von O. aus eine preu-ßische Seemacht zu schaffen. Nach dem Frieden zuTilsit schlug Napoleon O. zu dem neuen KönigreicheHolland, wo es mit Jever u. Kniphansen, mit Aus-nahme eines zu Groningen geschlagenen Theils, eineigenes holländisches Dep. bildete; 1810 kam es mitdiesem als Dep. der Ost-Ems zu Frankreich u. 1813wieder an Preußen, das es 1815 an Hannover ab-trat. 1866 fiel O. an Preußen, an dem seine Be-völkerung noch immer hing. Vgl. Wiarda, OstfrieS-ländische Geschichte, ebd. 1791 bis 1817, 10 Bde.;Klopp, Geschichte O-s, Han. 18541858, 3 Bde.;OstfriesischcsUrkundenbuch, Hrsg., von Friedländer,Emden 1874 U. ff. Kleinschmidt.

Ostgothenu. Ostgothisches Reich inJtalien,

s. n. Gothen.

Ostgothland, schwed.Län,sov.w. Östergötland.

Osthavelland, Kreis im prenß. Negbez. Pots-dam, im O. u. L>. von der Havel u. im N. voin Rhin-luche begrenzt, in der Mitte vom haveüändischenLuche durchzogen, von der Linie Berlin-Lehrte derMagdebnrg-Halberstädter, der Linie Berlin-Büchen-Hamburg der Berlin-Hamburger und der Berlin-Potsdam-Magdeburger Eisenbahn durchschnitten;1232g sUkm ( 22 ,gg ^M) mit (1875) 83,409 Ew.Kreisstadt ist Nauen.

Ostheim, 1) (O. vor der Rhön), Stadt im Eise-nacher Kreis des Großherzogthums Sachsen - Wei-mar-Eisenach, in einerEnclave im Bayerischen an derStreu; beträchtliche Gerberei, Schuhmacherei, We-berei, Obstbau (Ostheimer Kirschen oder OstheimerWeichsel»), viele Mühlen; 1875: 2408 Ew. Dabeidas alte Bergschloß Lichtenberg. 2)(Groß-O.),Marktflecken im Bez.-Amt Aschafsenbnrg des baye-rischen Reg.-Bez. Unterfranken und Aschafsenbnrg;Wallfahrtskirche, Bierbrauerei, Viehzucht; 1875:2584 Ew. H- Berns.

Osthofen, Marktfl. im Kreise Worms der groß-herzogl. Hess. Prov. Rheinhessen, an der Seebach un-weit des Rheins, Station der Hessischen Ludwigs-bahn (Mainz-Worms); Fabrikation von Papier,Maschinen, Zucker, Malz u. Hefen, Dampfmühlen,Weinbau,Schwefelquelle; 1871: 2879 Ew. O.wirdschon 765 erwähnt.

Ostia (O. Tiberina), Stadt am Ausfluß des