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Bd. 13 (1879) Metternich - Ostindien
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Estcrrcich-Uilgarn (Gcsch.).

geordnetenhause desReichsrathes als erste Maßregelgegen die Föderalisten ein Nothwahlgesetz vor, wel-ches mit 104 gegen 49 Stimmen 20. Febr. ange-nommen wurde (das Herrenhaus trat mit 73 gegen10 bei), bei Erledigung od. Nichtbcsetzung von Land-tags- od. Reichsrathsmandaten können Neuwahlenunmittelbar durch die landtagswahlberechtigten Ge-biete, Städte u. Körperschaften vorgenommen wer-den. Die liberale Partei n. Presse ui Österreich sahmit innigem Bedauern, wie der CultnsministerStremayr immer mehr nach dem Vatican hinneigteund die Bischöfe, die sich zur Unfehlbarkeit bekannthatten, mnthiger austraten diese Richtung bewiesauch seine feindliche Stellung gegen die Altkatholiken.Bei den Neuwahlen in Ungarn siegten dieDeakisten,bei 400 Depntirten gehörten nur 40 der äußerstenLinken an. In Böhmen wurde der noch aus Hohen-warts Zeit datirende czechisch-fendale Landtag 13.März 1872 aufgelöst, in dem neu gewählten erhieltdie Verfassnngspartei die Zweiürittelmajorität undschickte 40 verfassungstreue Abgeordnete 5. Mai inden Reichsrath, der bis zum 22. Juni tagte. InKroatien war man mit dem magyarischen Regimentsäußerst unzufrieden, denn wie in Slawonien u. Sie-benbürgen wurde von den Ungarn jedes autonomeGelüste niedergehalten; so fielen die Landtagswahlender Pester Regierung meist ungünstig 25. Mai ausund die Kroaten brachten vor den Kaiser ihre Be-schwerden. Auf dem 4.Sept. eröffneten ungarischenReichstage wurde 18. Nov. im Unterhause der Mi-nisterpräsident Graf Lönyay von einem Depntirten(Csernatony) der Bereicherung im Ministerium ge-ziehen, Lvnyay, sich nicht schuldfrei wissend, reichte2. Der. seine Entlassung ein u. der HandelsministerSzlavy ersetzte ihn, währenddessenStelleGrafZichyeinnahm. Die Dreikaiserzusammenkunft in Berlinim Sept. 1872 bewies, daß Österreich, Rußland u.Preußen in den großen europäischen Fragen einigseien u. in Frieden mit einander zu leben wünschen,gegenüber der Türkei wurde Österreich seitdem we-niger eifrig in seiner Protection.

FürdieWahlreformgesetzedesReichSrathes, welchederRcichseinheit einen festen Untergrund geben soll-ten, gewanndieVersassungsparteidieMajorität, über116 Stimmen, u. 3. April 1873 erhielten dieselbendes Kaisers Bestätigung; die föderalistischen Träumevon den mächtiger gemachten Landtagen zerstoben,so sehr die Czechen auch dafür agitirten. Es war einhochwichtiger Schritt zur definitiven Befestigung derBerfassnng, daß der Reichsrath künftig durch directeVolkswahlen und nicht mehr durch Wahlen der 17Landtage gebildet wurde; die Verfassungsparteidurfte von nun an mit Sicherheit auf über H Majo-rität unter den 353 Depntirten des neuen Reichs-rathes rechnen. Die Bemühungen znm AusgleichemitGalizien scheiterten wieder an den übertriebenenpolnischenFordcrungen; um die Gemäßigten imKö-nigreiche sürÖsterreich zu gewinnen, berief derKaiserihr Haupt, den Lemberger Bürgermeister Zimial-kowski, 22. April als Minister ohne Portefeuille inden Rath der Krone. Für die Weltausstellung be-willigte der Reichsrath allmählich 17 Mill. Gulden,u. der Kaiser cröffnete sie in Wien 1. Mai; um die-selbe Zeit brach aber auch der Börsenkrach aus undstürzte an 1000 Geschäfte mit einem Male um. Vonsremden Fürsten erregten in Wien ans der Ausstell-

ung das meiste Interesse Kaiser Alexander II., Kai-ser Wilhelm und König Victor Emannel: die altenVerstimmungen schienen begraben. In Ungarn zeig-ten sich die Finanznölhe recht schlagend, da mit ma-gyarischer Großmannssucht darauf losgewirthschaftetund keine rechte Bilanz zwischen Einnahme u. Aus»gäbe gezogen wurde. Auch die Stellung derRegierunggegenüberdemReichstagewardnrchdieZerfahrenheitder Parteien schwankend u. Wien durfte hoffen, nachund nach wieder anstatt Pest der Schwerpunkt derMonarchie zu werden. In Österreich-Ungarn konnteman gegen die Übergriffe der Curie nicht so raschVorgehen, wie in Deutschland, trotzdem versprach inUngarn der Cultusminister Trefort das Verhältnißzwischen Staat u. Kirche zu regeln und Gesetze überdie Freiheit der Cnlte vorznlegen; in beiden Hälftender Monarchie verloren die Universitäten ihren spe»cifisch katholischen Charakter und dem Überhandneh-men der Jesuiten wurde trotz der cnrialen Gesinn-ungen des Cnltnsministers Stremayr gesteuert. DerAusgleich zwischen Ungarn u. Kroatien wurde end-lich revidier und in der neuen Gestalt 5. Sept. vomLandtage angenommen (s. Kroatien). Das Budgetfür 1874 ergab ein Deficit von 31 Mill. Gulden fürUngarn u. sollte durch eine Anleihe gedeckt werden,die auch noch schon genehmigte Staatsbanken mitumsaffen sollte; der nngar.MinisterpräsidentSzlavyn. der Finanzminister Kerkapolyi brachten aber nureinen Theil der Anleihe zusammen; obgleich dasBudget im November genehmigt wurde, traten Ker-kapolyi ».derVerkehrsminister l8.Dec. ab; Szlavyu. Zichy mußten ihre Stellen zu den eigenen über-nehmen, fanden aber an der sich abnntzenden Dbak-partei, die mit ihrem Führer krank war, keinen festenArm mehr. Der bisherige Führer der Linken, Ko-lomanGhicy, trennte sich von diesen u. vereinte alleliberalen Elemente zu einer Centrnmspartei zwischender Linken u. der Dcakpartei. Die Neuwahlen zumNeichsrathe waren der Regierung sehr günstig, selbstin Tirol: von 353 Abgeordneten waren verfassnngs-freundlich 233; Hohenwart führte die Opposition.Am 5. Nov. eröffncte der Kaiser beide Reichsraths-hänser. Die Adressen derselben auf seine Thronredeerklärten, es genüge nicht, Lücken der Gesetzgebungin dem Verhältnisse von Kirche ».Staat ansznfllllen,sondern volle Glaubens- u. Gewissensfreiheit sei Er«sorderniß. In Böhmen beschloß der Czechenclub,während sich die Czechen jetzt in Jung- u. Altczechenschieden, die czechischen Abgeordneten hätten nichtnur dem Reichstage, sondern auch dem Landtagefern zu bleiben, u. die Jungczechen, bei dieser Ge-legenheit besiegt, legten ihre Mandate 24. Nov. nie-der. Das 25jährige Regierungsjubilänin FranzJo-sephs fand in beiden Hälften der Monarchie glän-zenden. herzlichsteAnfnahme (2. Dec.). Am 21. Jan.1874 legte die Regierung demReichsralhe vier con-fcssionelle Gesetze vor, die der römischen Hierarchieentschieden entgegen waren. Das erste, in welchemdas Concordat von 1855 auf ewig abgeschafft wurde,regelte die äußeren Rechtsverhältnisse der Katholi-schen Kirche; das zweite handelte von den äußerenRechtsverhältnissen der klösterlichcnGenoffenschaften,das dritte von den Beiträgen aus den Pfründen zudem Religionsfond behufs Deckung der Bedürfnissedieses Cultns, das vierte von der gesetzlichen Aner-kennung von Religionsgesellschaften. Am 5. März