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Ostcrreich-Ungarn (Gesch.).
thätig. Anstatt des Centralismus war nunderDna-lismus in der Monarchie eingeführt. Während dieübrigen Staaten das Factum ruhig Hinnahmen,verlangten die Czechen ebenfalls Autonomie u. ein-fache Personalunion mit Österreich, sie wollten einReich aus Böhmen, Mähren u. Schlesien gebildetwissen und der böhmische Landtag sprach so schroff,daß er 26. Febr. aufgelöst wurde; aus Haß gegenDeutsch-Österreich warfen sich nun die Czechen immerrückhaltloser Rußland in die Arme u. wurden Pan-slavisten, von den dortigen Panslavisten gehätschelt.
Am 22. Mai eröffnete der Kaiser beide Häuser desdeutsch-slavischen Reichsrathes. Das Abgeordneten-haus hob inderAdreßdebatte bes. dieNothwendigkeitder Revision des allgemein verhaßten Cvncordateshervor; Beust hielt sich als Protestant von der Fragezurück, überließ sie dem Reichsrathe, wo sie im Julizur Sprache kam.
Am 8. Juni erfolgte unter Beobachtung aller altenGebräuche in Pest die Krönung des Kaisers zumKönige von Ungarn und hierdurch die ceremonielleAussöhnung Österreichs u. Ungarns; ihr folgte eineuniverselle Amnestie politischer Verurtheilten u. dieVertheilung des Krönnngsgeschenkes unter die Hon-veds od. ihre Hinterbliebenen von 1848—49. Beustmußte jetzt die Monarchie im Inneren reconstruiren,jeden Conflict mit dem Auslande vermeidend u. dienationalen Gegensätze im Inlands vermittelnd, wasbei demTobeu derPolen, Czechen u.SlowenenkeiuLeichtes war; darum konnte er augenblicklich Öster-reich nicht gebieterisch im Rathe der Großmächte er-scheinen lassen, er hatte zu Hause genug zu ordnen.Am 23. Juni ernannte ihn der Kaiser zum Reichs-kanzler, 1868 zum Grafen., An die Übelstäude derFinanzen gewöhnt, wandte Österreich von ihnen dieAugen wieder auf die Concordatssrage, es kam zusehr erregten Auftritten im Abgeordnetenhause, derAntrag Herbsts auf Einführung der Civilehe, Eman-cipation der Schule von der Kirche ».Ordnung deriuterconfessiouellen Verhältnisse wurde 20. Juli mitgroßer Majorität angenommen. Doch beschloß dieRegierung die confessionellen Angelegenheiten durchVerhandlungen mit Rom zu regeln u. betraute da-mit den Gesandten an der Curie, Baron Hübner,dann Graf Crivelli n. Baron Meysenbug, seine Nach-folger, u. endlich den Antonelli mehr imponirendenGesandten, Grafen Ferdinand Trauttmansdorff. 25Erzbischöfe u. Bischöfe ans Cisleithanien schrieben2. Oct. 1867 dem Kaiser, die Angriffe gälten nichtdem Concordate, sondern der Religion; den allge-meinen Zorn hierüber bemerkend, tadelte der Kaiserihr Vorgehen und von allen Seiten liefen Adressengegen die Herrschaft der Klerikalen ein, selbst ansTirol. Die Gesetze über Civilehe und Emancipationder Schule wurden 23. und 29. Oct. angenommen,aber im Herreuhause nicht durchgelassen u. der Streitüberdauerte das Jahr 1867,doch wurde 3.Nov. 1867eine konfessionslose Lehrerbildungsanstalt mit Regier-ungserlaubniß in Wien eröffnet. Eine vom Reichs-rathe und dem ungarischen Landtage ernannte Aus-gleichsdeputation einigte sich dahin, die Beitrags-quoten zu den gemeinschaftlichen Ausgaben auf 70°/ofür Cis- u. 30 für Transleithanien festzustellen; be-treffs der Staatsschuld sollte die westliche Reichshälfteeine Vorbelastung von 25 Will. Fl. übernehmen, derRest in der Proportion 70:30 getragen werden;
beide Reichstagshänser nahmen diese Bestimmungenan. Die Febrnarverfassnng wurde gründlich revidirtund nach der Annahme in beiden Häusern 21. Dec.vom Kaiser sanctionirt. Österreich war jetzt zurösterreichisch-ungarischen Monarchie gewor-den, welchen Namen es 14. Nov. 1868 osficiell au-nahm; es bedurfte darum eines besonderen cis- undeines transleithauischen Ministeriums und für beideReichshälften für die gemeinsamen Angelegenheiten(Äußeres, Krieg u. Finanzen) eines Reichsministe-rimns. Jnllngarn bliebdasMinisteriumdesGrafenAudrassy, für Cisleithanien ernannte der Kaiser30. Dec. 1867 ein verantwortliches Ministerium,bekannt als Doctoren- oder Bürgerministerinm, esbestand aus Fürst Carlos Auersperg (Präsident),Gras Taaffe (Vicepräsident.Landesvertheidigung u.öffentliche Sicherheit), vr. Giskra (Inneres), vr.Herbst (Justiz), vr. Brestel (Finanzen), Edler vonPlener (Handel), Ritter von Hasner (Cultns undöffentlicher Unterricht), Graf Potocki (Ackerbau), vr.Berger (ohne Portefeuille). Diese Minister solltenmit dem Reichsrathe, die ungarischen mitdem Reichs-tage verhandeln. Zu Reichsmiuistern waren schon24. Dec. 1867 ernannt worden Beust (Auswärtiges),Baron Becke (Finanzen) und Baron John (Krieg);letzterem folgte 19. Jan. 1868 Baron Kuhn, derReorganisator des Heeres. Mit den aus Reichsrathu. Reichstag zu bildenden Delegationen von 60 Mit-gliedern sollten die Reichsminister die gemeinsamenAngelegenheiten berathen. Am 21. März 1868 ka-men die Kirchengesetze zu Wege, Wien illuminirte,die Provinzen jubelten auf u. der Kaiser Unterzeich-nete 25. Mai, so sehr auch der Klerus von der Kanzeln.in derPresse dagegen kämpfte. Durch dienencn Ge-setzewurde dieGerichtsbarkeitinEhesachen derKatho-liken den weltlichen Gerichtsbehörden überwiesen, dieoberste Leitung u. Aufsicht über das ganze Unterrichts-u. Schulwesen dem Staate zuerkannt u. die intercon-fessionellen Verhältnisse im Sinne der kirchlichenGleichberechtigung festgestellt. Hiergegen protestirteder Nuntius in Wien, Falcinelli; Beust gab ihmeinfach eine Empfangsbescheinigung; Pius IX. ver-dammte die drei Gesetze in einer Ällocution an dieBischöfe vom 22. Juni 1868, aber das Ministeriumblieb dabei u. Beusts Note nach Rom vom 3. Julisprach es entschieden aus, trotz der neuen Gesetze seidie Katholische Kirche nirgends so gut daran wie inÖsterreich. Gegen die das Volk aufhetzenden Bischöfeging die Regierung mit Geldstrafen vor. Im Dec.1867 ergab sich eine Schuldenlast von über 3025Mill.Fl., die Zinsen dieser Schuld verschlangen gro-ßentheils die indirecten Stenern und das Militärdie direkten. Am 6. Juni nach der Finanzdebattewurden alle Gattungen der fundirten allgemeinenStaatsschuld mit Ausnahme der Loose von 1854 n.1860 u. des Steueranlehens von 1864 in eine ein-heitliche 5°/Jge Schuld mit der Belastung einer16°/oigen, Steuer verwandelt. Die Nationalitätenmachten Österreich nach wie vor zu schaffen, UngarnsErfolge ließen die anderen Nationen nicht schlafen,auf den Augustlandtagen von 1868 wurde die neueVerfassung angegriffen u. zumal die Czechen über-ließen sich tollem Fanatismus u. trieben den Deut-schenhaß bis zur Farce; ans dem böhmischen Land-tage erschienen sämmtliche czechische Deputirten nichtund forderten in einer Declaration Böhmens Selb.