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Österreich-Ungarn (Gesch.).
der Kaiser die Wiedervereinigung der Wojwodinaund des Banats mit Ungarn, sendete aber zugleichzwei Armeecorps zur Herstellung der Ruhe dorthin.Am 2b. Febr. 1861 erschien ans Grund des Dip-loms vom 20. Oct. 1860 die neue VerfassungsGrund-gesetz) für Len Gesammtstaat mit Landesstatuten sürjedes einzelne Kronland einschließlich Galiziens, aberausschließlich Veneticns und der Lande der ungari-schen Krone, in welchen letzteren seit dem Diplomvom 20. Oct. die vollendete Anarchie herrschte unddie Regicrnnzsmaschine zum Stillstände gebrachtwar. Die Verfassung übertrug die Vertretung desGesammtstaatcs einem ans Herren- n. Abgeordne-tenhanse bestehenden jährlich vom Kaiser einbern-senen Reichsrathe. Das Herrenhaus bildeten erblicheu. vom Kaiser ans Lebenszeit ernannte Mitglieder,das Abgeordnetenhaus 343 ans den einzelnen Lan-desvertretnngen durch directe Wahl hervorgehendeGlieder. Die Staatsschuld stand unter d'er Controlsdes Reichsraths. Gleichzeitig löste Franz Josephden ständigen und verstärkten Reichsrath auf u. setzteeinen Staatsrath ein. Schmerling, der diese Schritteangeordnet, hoffte mit der Zeit aus der EifersuchtSiebenbürgens, Kroatiens u. Slawoniens aus Un-garn Capital schlagen, letzteres in seinem Wider-stande gegen die Neugestaltung der Dinge isolirenu. dann zur Übereinstimmung bringen zu können.Aber die Ungarn setzten Alles daran, eine selbstän-dige Nation zu bleiben u. die Gesetze von 1848 wa-ren ihr Evangelium. Die Wahlen zum ungarischenLandtage fielen gar nicht ini Sinne der Regierungaus, die ihre erklärten Feinde theilweise gewählt sah.Im Landtage bildeten sich zwei Parteien, die gemä-ßigtere, jedoch ganz national gesinnte und aus denGesetzen von 1848 stehende führte der hochsinnigeDeal, der in derlegislativen AutonomieUngarns dieBedingung seiner politischen Verbindung mit Äster-reich sah; die andere war nltramagyarisch, wurde vomGrafen Ladislaus Teleki von Szek geleitet u. gingnach dessen Selbstmorde (Mai 1861) in dem gleichenunfriedsamen Geiste fort. Ihre Namen erhielten dieParteien, als Deak vorschlug, die Gesetze von 1848in einer Adresse an Franz Joseph zu sormnliren u.auf ihnen einen Vergleich anzustreben. DeaksParteihieß seitdem die Adreßpartei; die Telekis verlangte,dem Kaiser einfach den Beschluß knndgethan zu wis-sen, daß Ungarn bei den Gesetzen von 1848verharreu. das Febrnargrundgcsetz verwerfe n. hieß nun dieBeschlußpartei. Deals Partei drang mit nur dreiStimmen Majorität 5. Juni durch, aber der Kaiserkonnte unmöglich die Forderungen der Adresse ge-währen und Schmerling vor den Kopf stoßen. DerDeaks Ansicht theilende Minister; Graf Szeksenund der Hofkanzler Baron Vay, traten nun abu. während Elfteren Graf Moritz Esterhazy ersetzte,wurde Gras Forgach Hofkanzlcr. Da die Oppo-sition anhielt, löste der Kaiser 21. August den Land-tag aus und da Steuererhebung und Rekrntirung inUngarn auf Widerstand stießen, trat Gras MoritzPälffy als Statthalter mit umfassenden Vollmachtenan des Landes Spitze u. 5. Nov. wurden Militär-gerichte überall eingesetzt. In den meisten übrigenLändern der Monarchie fand die Regierung freund-liche Aufnahme, die meisten Landtage dankten imApril 1861 dem Kaiser»sür das Grundgesetz vom 26.Febr. und der zusammentretende engere Reichsrath
unterstützte die Regierung, vom 1. Mai186lbis 18.Decbr. 1862 tagend. Die Finanzen blieben Öster-reichs wundeste Stelle, für 1862 ergab sich im Bud-get ein Deficit von über 60 Millionen Fl.; da dieFinanzangelegenheiten dem Abgeordnctenhauje ge-genüber dem Lande Verantwortung auferleglen, er-kannte der Kaiser 1. Mai1862,freilich nur im Prin-cipe , die Verantwortlichkeit der Minister gegenüberder Reichsvertretung betreffs Beobachtung der Ver-fassuna n.Vollziehuug derGesetzean. JnDcutschlandsuchte Österreich nach wie vor Preußens Einfluß mitHilfe der Mittelstaaten in den Weg zu treten, dem.italienischen Königreiche gegenüber blieb es in feind-licher Stimmung u. verfocht des Papstes weltlicheHerrscherberechtiguug, ohne ihmdamit real zu nützen.Jeder Veränderung im Oriente sah es mir Wider-willen zu, wahrte Rußland gegenüber sein Miß-trauen und sprach über die griechische Revolution1862—63 mitunverhaltenemZorne. JmJan.1863traten die Landtage äußer denen von Ungarn, Sie-benbürgen, Kroatien, Slawonien zusammen und inBöhmeir bekundeten die Czechen ihren Haß gegenden Gesammtstaat wie gegen die Deutschen nach wievor. Der siebenbürgische Landtag vonJuli1863bisFeb. 1864 nahm, geleitet von den Sachsen u. Ru-mänen, die Febrnarvcrfassunz an und wählte sürdas Abgeordnetenhaus des nun znm weiteren ge-wordenenReichsrathes. 1863 brach derPolenanfstäudans, Österreich konnte nicht theilnahmlos Zusehen, er-griff unvorsichtig warm die polnische Partei, belei-digte dadurch Rußland u. vcrhing nachher über Ga-lizien den Belagerungszustand. Die neue Neichs-rathssession vom 18. Juni 1863 bis 15. Feb. 1864hatte sich in erster Linie mit den immer schlechterwerdenden Finanzen zu beschäftigen n. mußte 109Millionen Fl.Anleihe bewilligen. Die österreichischenVersuche, den Bundestag zu reformiren u. ÖsterreichsMacht darauf zu stärken, führten den Frankfurter"ürstencongreßl863im Aug.herbei, scheitertenaber.
sterreich verbündete sich,als dieschleswig-holsteinischeFrage anftrat, trotz seiner Antipathien mit Preußen,achtete der Bundestagsbeschlüsse nicht und handeltenicht als Bundes-, sondern als Großmacht. Esstürzte sich in den dänischen Krieg, dessen FrüchtePreußen erntete und der das finanzkranke Land er-hebliche Gelder kostete; was wollte dagegen der Waf-fenruhm bedeuten? Seinen Lieblingswunsch, in dendeutschen Zollverein ausgenommen zu werden, schlugihm Preußen nach wie vorder Hilse in denHerzog-thümern ab. Mehr u. mehr trübte sich das Einver-nehmen zwischen Regierung und Reichsrath und dieöffentlicheMeinung sprach sich herbeüber die unglück-liche auswärtige Politik Österreichs aus; Rechberg,für Alles verantwortlich gemacht, gab 27. Oct.1864an den Grafen Mensdorfs-Pouilly das Portefeuilledes Äußeren und des k. Hauses ab. Am 14. Nov.1864 trat der weitere Neichsrath zusammen, dochwar die Stimmung wenig entgegenkommend, wieschon die Antwortsadresse des Abgeordnetenhausesaus die Thronrede bekundete. Wieder war die Fi-nanzsrage die brennendste und ein Staatsbankerottdrohte; das Budget sür 1865 hatte wieder ein De-ficit von über 13 Millionen Fl. u. neue Anleihen zuungünstigen Bedingungen wurden immer wieder nö-thig. Die Zerklüftung Österreichs trat jährlich deut-licherzu Tagen, es zeigte sich, daß dieFebruarversaff-