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Bd. 13 (1879) Metternich - Ostindien
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Österreich-Ungarn (Gesch.).

Agenten derfranz. Diplomatie in Wien u. Berlin hin-arbeiteten. Der nächste Angriff drohte von Italienaus, und die österreichische Regierung erklärte nichtnur öffentlich durch ihre Organe, daß Sardinien denGedanken hege, durch Revolntionirung Italien zuerobern, sondern suchte auch schon zu Anfang desJahres 1857 in diesem Kampfe Deutschland solida-risch mit sich zu verbinden. Während und nach derReise des Kaisers inVeneticn u.derLombardei wurdedas Benehmen der sardinischen Regierung so feind-selig, daß sich Österreich genöthigt sah, den diploma-tischen Verkehr abzubrechen (16. März 1857). ImLaufe des Monats März räumten die österreichischenTruppen die Moldau und Walachei, die Regierungaber fuhr fort gegen Rußland, Preußen, Frankreichund Sardinien die Vereinigung der beiden Fürsten-thümer, welche sie zum Vortheil Rußlands glaubte, zuHintertreiben. DagegengingÖfterreich Hand inHandmitPrenßen in der Angelegenheit der BundesstaatenHolstein u. Lanenburg n. da Dänemark den sehr ge-mäßigten Anforderungen nicht genügte, übergabenÖsterreich u. Preußen'gemeinschaftlich die Sache demDeutschen Bunde zur Entscheidung.

Als der Kaiser der Franzosen am Nenjahrstag1859 zu dem österreichischen Botschafter BaronHüb-ner, die für eine solche Gelegenheit außergewöhn-lichen Worte sprach, er bedaure,daß zwischen seinerund der österreichischen Regierung über wichtigeFragen wenig Übereinstimmung stattfände, u. als-bald darauf eine vom Moniteur empfohlene Bro-schüre unter dem Titel: Napoleon III. und Italien,als Nothwendigkeit hinstellte, Italien von fremdem(d. h. österreichischem) Einflüsse zu befreien, war esder österreichischen Regierung nichtmehr zweifelhaft,daß der Krieg mit Frankreich wegen Italien nahebevorstehe, u. bereits 7. Jan. 1859 gingen die er-sten Verstärkungen zum österreichischen Heere inItalien ab, welches im März die Stärke von200,000 Mann erreicht hatte. Am 6. März ersuchtedie österreichische Regierung Preußen, sein Heer inKriegsverfassnng zu setzen; dagegen schlug Rußlandvor, die Italienische Frage auf einem EuropäischenCongreß zur Entscheidung zu bringen (21. März1859), während ein englischer Gesandter, LordCowley, nach Wien ging, um diesenVorschlag zu unter-stützen. Österreich willigte ein, an einem solchen Con-gresss theilzunehmen, jedoch nur unter der Beding,ung, daß Sardinien vorher entwaffne. Zu gleicherZeit reiste Erzherzog Albrecht nach Berlin, um fürden Fall, daß die Unterhandlungen zu keinem Zieleführten, gemeinschaftliche Maßregeln mit Preußenzu vereinbaren. Aber noch während seiner Anwesen-heit in Berlin, sandte die österreichische Regierungeinen Stabsoffizier nach Turin, um die sardinischeRegierung aufzufordern, binnen drei Tagen dasHeer ans den Friedensfnß zu bringen u. die italie.nischen Freiwilligen zu entlassen, oder des Kriegesgewärtig zu sein. Erzherzog Maximilian, General-gouvernenr des Lombardisch-Venetianischen König-reichs , wurde zurückgerufen und der unfähige GrafGiulay mit dem Oberbefehl betraut. Als Sardi-nien der Aufforderung nicht nachkam, gab der Kaiserseinem Heere Befehl, 29. April, den Tessin zu über-schreiten und in Piemont einzudringen. Mit denösterreichischen Truppen gleichzeitig waren die fran-zösischen in Piemont angekommen, u. der Krieg zwi-

schen Österreich n. Frankreich ausgcbrochen. Schon13. Mai beschloß derKaiser selbst sich au die Spitze desHeeres zu stellen n. übertrug in seiner Abwefenheirdem Erzherzog Rainer die Ausfertigungen, und nureine Verständigung mit Rußland anzubahnen, tratBuol-Schauenstein aus dem Ministerium des Äuße-ren n. an seine Stelle der bisherige BundespräsidcntGraf Rechberg-Rothenlöwen, wieder ein SchülerMetternichs, während Kllbeck Bundespräsidialge-saudter wurde. Die unglückliche Schlacht bei Mon-tebello (20. Mai) war geschlagen, als der Kaiser30. Mai in Verona ankam. Die Schlacht bei Ma-genta (4. Juni) hatte die Räumung der LombardeiznrFolge. Am 9.Juni zog Österreich seine Truppenans den Römischen Legationen zurück,weilFrankreichdie Neutralität des Kirchenstaates verletzte. Am 22.Juni erklärte sich Österreich in einerDepesche an denGesandten inBerlin, BaronKoller,gegeneinepreußi-scheVermittcluugu.sPrachdenWnnschaus.daßPreu-ßen unmittelbar fürOsterreich Partei ergreifen möge,da es als Mitglied desDeutscheuBnndesVerpflicht-ungen habe. Allein schon 24. Juni ging die Haupt-schlacht beiSolferino verloren, welche zum Abschlußeines Waffenstillstandes (8. Juli) n. bei der persön-lichen Zusammenkunft des österreichischen u. franzö-sischen Kaisers zu Villasranca 11. Juli zum vorläu-figenAbschluß desFriedens führte, wonach ÖsterreichdieLombardei mitAnsnahmePeschierasu. MantuasanFrankreich abtrat. Diese Präliminarien bestätigteder Züricher Friede vom 10. Nov. 1859, der übri-gens schon vor seinem Zustandekommen hinfällig ge-worden war, so daß dessen Stipulationen zum Trotzauch die österr. Secundogenituren verloren gingen.

Am 22. Aug. ernannte der Kaiser von Hübner,der bisher Gesandter im Anslande gewesen und einAnhänger des alten Absolutismus war, zum Poli-zeiminister und den Grafen Goluchowski, einen Feu-dalen von Überzeugung, zum Minister des Innern.

Die Verbitterung auf kirchlichen: Gebiete wurdeauch durch das Patem vom 1. Sept. 1859, betref-fend die Ördnnng der Angelegenheiten der Prote-stantischen Kirche für Ungarn u. Nebenländer, wo-durch denselben Selbständigkeit u. Freiheit gegebenwurde, nicht gehoben. Die Ungarn verlangten ihrealte Kirchenverfassnng zurück, wie überhaupt dieungarischen Verhältnisse anfingen Verlegenheiten zubereiten. Hübner, vorzugsweise als Resormministerbetrachtet, machte in dieserHinsichtVorschläge, welchenicht genehmigtwnrdeu, woraufer21.Oct.seinsEnt-lassungnahm. An seine Stelle tratohneÄnderungdesministeriellen Programms Baron Thierry.

Der einflußreichste Schritt für die NeugestaltungÖsterreichs, von welchem dieLösung aller übrigen in-nerenFragen abhing, war erst dieBerufung des ver-stärkten Reichsraths (5. März 1860),indem derKaiseranorduete, daß zu den ordentlichen Reichsräthennicht nur von ihm ernannte lebenslängliche Mit-glieder, sondern ans der Mitte der Landesvertret-ungen noch 38 Mitglieder hinzutreten sollten, welcheer aus je drei vorgeschlagenen Candidaten wähle.Der verstärkte Reichsrath erhielt nur berathendeStimme, keinerlei Initiative bei Gesetzvorschlägen.Den guten Eindruck, den diese Maßregel gemacht,schwächte die zur selben Zeit gemachte Entdeckungvon Unterschleifen in der Militärverwaltung, denenman das Mißlingen des Feldzuges van 1859 mit