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Bd. 13 (1879) Metternich - Ostindien
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Österreich-Ungarn (Gesa).).

rückten von Böhmen her 18,000 Mann unter demFürsten Windischgrätz, welcher 16. Oct. das Ober-Commando über das bald auf 80,000 Mann ge-wachsene Heer erhielt. Inzwischen hatte man inWien bereits ernstliche Vertheidigungsanstalten ge-troffen. Das Commando über die Nationalgardeführte seit 12. Oct. Messenhauser, während der pol-nische General Bem die Leitung des Geschützwesenserhielt. Aber die Bemühungen der Aufständischen,das Landvolk in den Aufstand hineinzuziehen, schlu-gen fehl; die erhoffte Erhebung der Provinzen blieb,bis aus einige bald unterdrückte Bewegungen inBrünn, Graz u. in Österreichisch-Schlesien aus; dieUnterstützung aus Deutschland beschränkte sich aufdas 17. Oct. erfolgte Eintreffen einiger FrankfurterAbgeordneten (unter ihnen R. Blum), und endlichlief auch noch die Nachricht ein, daß das bestimmterwartete und schon näher gerückte ungarische Heeram 18. sich wieder nach Ungarn zurllckgewandt habe.Dagegen erklärte Windischgrätz 20. Oct. Stadt undUmgebung in Belagerungszustand und forderte zurÜbergabe auf. Am 23. Oct. wiederholte er die For-derungen unter sehr harten Bedingungen, die wiederzurückgewiesen wurden. Nun ließ der Fürst 29.Oct.Wien auf mehreren Punkten angreifcn u. bis Nach-mittag 5 Uhr waren die Truppen auf allen Punktensiegreich vorgedrungen; die Vertheidiger Wiens setz-ten nur noch bis zum Einbruch der Nacht das Ge-schützseuer von den Wällen der inneren Stadt fort.Endlich in der Nacht erklärte eine Deputation desGemeinderathes dem Fürsten die Unterwerfung derStadt und 30. Oct. rückten die Truppen von allenSeiten bis zum Glacis vor. Da wurde Nachmittagsplötzlich die Ankunft der Ungarn vom Stephans-thurme signalisirt; wirklich war es ein, freilich nichtbedeutender ungarischer Heerhaufen, welcher aber-mals die Grenze zur Entsetzung Wiens überschrittenhatte, doch wurde derselbe noch am 30. bei Schwe-chat von den kaiserl. Truppen znrllckgeschlagen undzum Rückzuge gezwungen. In Wien jedoch hattedie neu erregte Hoffnung sofort zum Bruche der Ka-pitulation geführt; die Waffen waren wieder ausge-nommen und die Angriffe gegen die Belagerer er-neuert worden, von denen die Vorstädte Wieden,Mariahilf und Gumpeudorf beschossen wurden. Am31. Oct. begann der Kampf von Neuemu. 1. Nov.war Wien vollständig von den Truppen besetzt. So-fort wurden nun alle zuvor angedrohten Maßregelnmit großer Strenge ansgeführt. Zunächst wurde dieVertagung des Reichstages erklärt; dieZahlder Ver-haftungen stieg schoninden ersten Tagen bis auf 1500und es begannen standrechtliche Hinrichtungen derHauptsührer der Aufständischen, sowie dieVerurtheil-nug der anderen schwer Gravirten zu schwerer Ker-kerstrafe. Ein Versuch, die Revolution nach Galizienzu tragen, endete kläglich 2. November.

Wien war besiegt und die Regierung im Stande,mit um so größerem Nachdruck die Operationen ge-gen Ungarn anfzuuehmen, das seine Streitkräfteaußerordentlich verstärkthatte. Kossuth,welcher EndeSept. au die Spitze eines Ausschusses zur Landes-vcrtheidiguug getreten war, hatte seitdem die größteThätigkcit entfaltet; die wichtigen Festungen Esseg,Pcterwardeiu, Munkacz und Komorn waren in ihreHände gefallen. Inzwischen hatte eS Seitens derRegierung noch immer nicht an Bemühungen, eine

Versöhnung herbeizuführen, gefehlt; doch waren die-selben gänzlich ohne Erfolg geblieben.. Ehe jedochetwas Entscheidendes geschah, war in Österreich dieBildung eiuesneuenMinisteriums zu Stande gebrachtworden, weshalb die Anfangsauf den 15.Nov. aus-geschriebene Eröffnung des Reichstages ausgesetztwurde. Das neue Ministerium mit Fürst FelixSchwarzenberg, einem starren Vertreter des anvivnrsAims, an der Spitze, legte nun dem 22. Nov. er-öffneten Reichstage zu Kremsier das Programm derhinfortzubefolgendenPolitikÖsterreichßvor. Dasselbeenthielt auf der einen Seite die Zusage der Aufrechter-haltung der constitutionellen Monarchie unter frei-sinnigen Grundsätzen, wies aber auf der anderen Seitebereits auf den Plan einer festeren einigen Begründ-ung des österreichischen Gesammtstaates mitderselbenVerfassung u. Gesetzgebung in allen Erblanden hin.Wenige Tage nachher, 2. Dec., legte Kaiser Ferdi-nand zu Olmütz die Krone nieder, u. da sein Bruder,Erzherzog Franz Karl, auf die Nachfolge verzichtete,so bestieg dessen ältester Sohn,Franz Joseph, einJüngling,den Thron. In Ungarn errangen die Trup-pen unter dem schneidigen Windischgrätz bedeutendeErfolge, u. selbst Ofen u. Pest waren 5. Jan. 1849von den Ungarn ohne Schwertstreich geräumt; da-gegen war der Sitz der revolutionären Regierungnach Debreczin verlegt worden n. der Aufstand hattestets neue Nahrung erhalten. In Siebenbürgen hattensich die Dinge für die legitime Regierung durch BemZEinfall sehr ungünstig gewendet, u. da Puchner Sie-benbürgen nicht länger zu halten vermochte, rief erdie Russen zu Hilfe, welche von der Moldau her imAnfang Febr. Hermaunstadt u. Kronstadt besetzten,bald aber sammt Puchner von den Ungarn vertrie-ben wnrdeii, Auf anderen Punkten war dagegen derKrieg den Österreichern günstig; die Festungen Leo-poldstadt u. Esseg fielen 13. Febr.; die Schlacht beiKapolna 26. u. 27. Febr. war für sie ein Sieg. DasMinisterium, rieth Franz Joseph zu einem Gcwalt-streiche, um Österreich zu einem Einheitsstaats zu ma-chen. Am 4.Märzwurde eineVerfassung octroyirt u.7. März der Reichstag von Kremsier aufgelöst. DieVerfassung vom 4. März trat nie in Wirksamkeit,war aberdieschlagendste Antwort auf denGagernschenVorschlag in Frankfurt, Österreich solle aus dem en-geren Bundesstaate Deutschlands ausscheiden, abermit diesem in Union treten; Österreich wollte mit allenProvinzen Deutschland angehören u. dachte nicht anUnterordnung unter eine seinen Interessen fremdeReichsgewalt.

Bevor Österreich an die umfassende Neugestaltungseines Staatswesens gehen konnte, mußten vorAllemdie WaffeninItalien u.UngarndieMöglichkeit hierzubereiten. Radetzkys Siegeszug im März 1849 gegenSardinien beugte die Erregung in der Lombardein. Venedig unterwarf sich 22. August. In Ungarnu. Siebenbürgen aber waren die magyarischenHeercfast stets siegreich. Kossuth schlug dem nach Debreczinberufenen Reichstage die Entthronung des HausesHabsburg u. die Erklärung Ungarn-Siebenbürgenszum selbständigen Staate vor u. wurde der Antrag14. April zum Beschluß erhoben; Kossuth wurdeGouverneur von Ungarn. Die Schlacht bei Komorn26. April entsetzte diese Festung u. ein zweiter Siegbei Raab 29. April nöthigte das österreichische Heersich bis nach Preßburg zurückzuzieheu, während auch