816
)sterrcich-Ungarn (Gesch.).
zu beginnen. Das neue Ministerium bestand ausGraf Kolowrat als Präsidenten, Pillersdorf für dasInnere, Ficqnelmont für das Äußere, Kübeck für dieFinanzen, Graf Taafse für die Justiz; dazu kamSommarnga für den Unterricht. Die Thätigkeir desMinisteriums nahmen zunächst die ungarischen Ver-hältnisse in Anspruch. Die Ungarn halten ans demPreßbnrger Reichstage ihre 600jährige Feudalver-fassung in die neue Form der Volksvertretung unddes Constitntionalisnms umgewandelt. Das neuenngar. Ministerium (Batthyanyi, Deak,Kossnth rc.)wurde23.März bestätigt n.nach Gewährnngverschie-denerRechrelöstcderKönig 10.Aprilselbst den nngar.
aufgehoben. Die Bestimmungen des 9. Mai erschie-nenen Wahlgesetzes, wonach die Erste Kammer nurfür den Hohen Adel zugänglich schien, sowie der hoheCensus für beide Kammern riesen neue Aufregunghervor. Als nun 13. Mai die Auflösung des politi-schen Centralcomites der Nationalzarde von Neuemvom Grafen Hoyos, dem Oberbefehlshaber dersel-ben, befohlen wurde, verlangte 13. Mai eine Stn-dentendepntation von dem Minister von Pillersdorfdis Zurücknahme dieses Befehls und zugleich die ge-meinschaftliche Besetzung der Wachen u, Thore durchNationalgarde u. Truppen, endlich Suspension derVerfassung vom 25. April u. daß nur eine Kammerund allgemeines Stimmrecht bestehe. Der Minister
Reichstag auf. In Wien wurde ein Ausschuß ansBürgern und Ständcmitgliedern zur Vorberathung ^ war außer Stande, eine sofortige Entscheidung hierder Gesetze gebildet, am 21. März eine weitgehende über zu geben, aber Graf Hoyos erklärte sich be>
Amnestie verkündigt, Tags darauf die von Windischgrätz verhängten Ausnahmemaßregeln aufgehoben.Jeder politischen Freiheit durch Metternichs Systementwöhnt, wußte das Volk sie jetzt nicht im Sinne
stimmt gegen die Zurücknahme seines Tagesbefehls.Darauf zog die Akademische Legion, begleitet vonden Nationalgarden, gegen die Burg und drang inden Schweizerhof ein. Jetzt wurden die Fordernn-
der Ordnung zu gebrauchen, die Preßfreiheit nahm» gen bewilligt u. so war die Universität die Siegerin
schamloseDimensionen an, Leute des Umsturzes wafflneten sich mit Gewehren aus den Arsenalen der Re-gierungrc. Am 31. März erschien das provisorischePreßgesetz. Dasselbe fand jedoch eineso entschiedenun-günstige Aufnahme (in Prag verbrannten es dieStn-denten), daß das Ministerium sich zu seiner Zurück-nahme veranlaßt sah. Daraus tratKolowrat 3.Aprilaus dem Ministerium, provisorisch durch Ficquel-mont ersetzt. Zugleich wurde auch der Staatsrathaufgehoben, wonach die Erzherzoge Albrccht n. Lud-wig sich von den öffentlichen Angelegenheiten zurück-zogen; gleichzeitig verließ Fürst Windischgrätz dieHauptstadt, um Las Commando der Armee in Böh-men u. Mähren zu übernehmen. Am 6. April wurdedaszurückgezogenePreßgesetz durch eine provisorischeVerfügung gegen den Mißbrauch der Presse ersetzt,welcher mehr befriedigte. Ein 8. April erscheinenderkaiserlicher Erlaß aus die erneuerten Vorstellungender Czechen schien eine Begünstigung des slavischenElementes vor dem deutschen zu enthalten. Dennochbewies die am 9. erfolgte Ernennung v. Schmer-lings zum Vertrauensmann sür Frankfurt die Ab-sicht der Regierung, mit Deutschland zu gehen, wiedenn auch seit 2. April die deutsche Fahne auf demStephansthurme und der Hosburg wehte. Endlichwurde» auch 15. April die Wahlen zur DeutschenNationalversammlung (in Frankfurt) für die deutsch-österreichischen Provinzen ausgeschrieben, zugleichaber verwahrte sich die Regierung gegen jede unbe-dingte Unterwerfung unter LieBundesversammlung,als unvereinbar mit den Anforderungen der österr.Sonderinteressen. Im Mai trat auch der Justiz-minister Taafse ans, worauf Sommarnga auch dieJustiz übernahm; Kübeck war schon seit Z.April durchKrauß ersetzt. Am 25. April legte das Ministeriumden von Pillersdorf inspirirten Verfassnngsentwurfvor. So liberal er war, so ließ sich doch im Volkekeine Befriedigung erkennen, am meisten wohl her-vorgernfendurch dieForm der Octroyirung, wie durchdie Zurückhaltung des Wahlgesetzes. Die inzwischenneu errichteten Ministerien für Landban, Handel u.Gewerbe und sür öffentliche Arbeiten wurden, daserstere durch Doblhoff, das andere durch Baumgart
des Tages. Aber als nun das Ministerium zurück-trat u. der Kaiser die Residenz heimlich 17. Mai ver-ließ u. nach Innsbruck ging, verbreitete sich eine all-gemeine Bestürzung und von allen Seiten wurde erzur Rückkehr aufgefordert. Nationalgarde u. Aka-demische Legion unterstellten sich den Anordnungender Regierung; der Central-Ansschuß der National-garde wurde aufgelöst, an seine Stelle trat ein vomMagistratbestellterSicherheits-Ausschuß; aber schon26. Mai widersetzte sich die Akademische Legion ihrerdurch das Ministerium befohlenen Auflösung u. sahsich von Arbeitern und Nationalgarden bald so nach-drücklich unterstützt, daß das Militär sich zurückzichenmußte. In kurzer Zeit war ganz Wien mit Barri-kaden bedeckt und binnen wenigen Stunden lag dasRegiment in den Händen der Studenten u. Natio-nalgarden, welche nun einen provisorischen Ausschußzu Unterhandlungen mit dem Ministerium wählten.Das Resultat derselben war, daß das Ministeriumden Beschluß, die Legion aufzulösen, znrücknahm,die Zugeständnisse des 15. Mai neu bestätigte, dieZurückziehung der Truppen sowie die ausschließlicheBesetzung der Thore durch Nationalgarde und dieVerwendung des Militärs nur auf deren Aufforder-ung zusagte. Der Erzherzog Johann kam anstattdes Kaisers, um den Reichstag zu eröffnen, 24.Juninach Wien, reiste aber alsbald nach Frankfurt, zumAntritt der Reichsverweserschaft. Nach seiner Rück-kehr nach Wien schieden Juli, weil es die Schreierso wünschten, Pillersdorf, Sommarnga u. Baum-gartner ans demMinisteritmi; dasneneMinisteriumWessenberg bildeten 8. Juli Doblhoff für das In-nere, Wessenberg für das Äußere, Latour sür denKrieg, Bach für die Justiz, Krauß für die Finanzen,Hornbostel sür den Handel und Schwarzer für dieöffentlichen Arbeiten.
In den Provinzen waren inzwischen die Zuständein der Hauptstadt der Monarchie sür Sonderinteres-sen reichlich ausgebeutet worden. In Prag consti-tnirte sich eine förmliche provisorische Regierung(Gras Leo Thun, Rieger, Brauner, Borrosch u. A.)u. versammelte sich 2. Juni unter Palackys Vorsitzeein Slaven-Congreß von mehr als 3000 Czechen,
uer besetzt. Am 10. Mai wurden Lurch kaiserl. Be-^Polen, Slowaken, Serbien! rc., auf welchem mansiätigung die Orden der Jesuiten u. Redemptoristen! sich aber übcrkeinen Hauptpnnktverständigenkonnte.