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Österreich-Ungarn (Gcsch.).
ungen bewegen, wenn sie auch da n. dort den Wün-schen der Landtage bezüglich finanzieller und com-nierzieller Fragen, der Vertretung der Städte durchAbgeordnete, ausgedehnterer Mitwirkung provin-zieller Angelegenheiten rc. willfahrte, sodann auch dieHofkaminerausweise seit 1 845 dem größeren Publi-cum zugänglich machte. Jndeß erwuchsen ihr immerschwerere Verlegenheiten aus den Conflicten der ver-schiedenen Nationalitäten, welche am schärfsten aus-geprägt und in bedenklichster Weise sich in Ungarnzeigten; anch die italienischen Unruhen, namentlichim Kirchenstaate, beschäftigten die Regierung vielfach.Der Aufstand in Galizien (1846) ward rasch durchdie Truppen bewältigt ui darauf verordnete ein kai-serliches Patent für Krakau vom 13. April 1846,daß in den bäuerlichen Verhältnissen eine Erleichter-ung bezüglich der Frohnleistungen eintreten sollte.Gegen die in Übereinstimmung mit Rußland undPreußen durch Patent vom 11. Nov. erfolgte Ein-verleibung Krakaus (23 HjM) protestirten vergebensEngland u. Frankreich als gegen eine Verletzung derVerträge von 1845. Im selbenJayre wurde, gegen-über dem Aufschwung, den die nationalen Bestreb-ungen in Italien nach der Thronbesteigung desPapstes Pins IX. nahmen, eine Vermehrung der be-waffneten Macht in Oberitalisn für nöthig erachtet,ohne daß dadurch in Italien die wachsende Unzu-friedenheit ».der zunehmende Geist der Unruhe hättengebannt werden können. Dabei traten die Landtagemit weiteren Forderungen in fortschrittlichem Sinnehervor. So war denn, als die Märztage 1848 sichuaheten, die Lage Österreichs eine mehr als mißliche,die Finanzen befanden sich in schlimmem Zustande,in den Provinzen war Verarmung eingctreten, Ga-lizien lag verwüstet, in anderen slawischen Gebietendrohte ein Bauernkrieg gegen die Robot, Ungarnstand inOpposition, Oberitalien in fast schon offenemAusstande.
Die Nachricht von den Pariser Februar-Ereig-nissen tras Wien bereits in einer unruhigen Spann-ung. Die Verkündigung des Standrechtes in Mai-land, Gerüchte von einer Intervention in der Schweiz,von einer nahen Kriegserklärung Sardiniens, voneiner Anleihe in Rußland, von dem Anmarsche russ.Truppen gegen Galizien bewegten bereits die Ge-müther ohne Aushören, inUngarn lebten die Träumeeines magyarischen Sonderreiches von Neuem auf,in Böhmen forderte der Landtag die Rechte, die er imMittelalter besessen. In Ungarn u. Böhmen kamenrevolutionäre Adressen anFerdinand zu Stande. Ansdem Mittelpunkte der einzelnen bisher in Wien beste-hendenVereincwurden6.—IS.MärzALressen an denAusschuß der niederösterr. Stände mit einerAufzähl-ung der consiitutionellen Garantien erlassen, welchedie Bürger Österreichs verlangten. Zugleich rich-tete 12.März eine Versammlung von mehr als 2000Studenten cineAdresse mitderPetitionumAufhebungderCensnr,um Lehrfreiheit, Volksvertretung daheimu. beidemDeutschen Bunde, Öffentlichkeit der Rechts-pflege rc. an den Kaiser, u. da dessenAntwort daraufnicht befriedigte, so erfolgten 13. März tnmultuarischeAuftritte, wobei das Ständehaus demolirt wurde.Allerorten blieb zwar das Militär Sieger, zog sichaber, als endlich das Ausrückcn der Bürgergardegestattet wurde, nach den Vorstädten zurück. Jndeßdauerten die Tumulte fort. Nun erklärte ans das
laute Verlangender Tumultuanten Metternich 13.März seinen Rücktritt und Erzherzog Ludwig bewil-ligte die verlangte Bewaffnung der Studenten ausdem Zeughanse, welche sofort in den Vorstädten ge-gen Raub, Plünderung u.Gewaltthätigkeiten an Be-amten durch das Proletariat einschrittcn. Am Mor-gen des 14. März bivouakirte das Militär auf demGlacis; in der Stadt waren die meisten Posten durchBürgergarden und Studenten besetzt. Man wartetevergebens auf weitere Concessiouen der Negierung.Dazu verbreitete sich die Kunde, daß an Stelle desabgetretenen Erzherzogs Albrecht derFürstWindisch-grätz das Commando der Truppen erhalten habe.Als die Anzeichen einer drohenden Stimmung sichwieder bedenklich mehrten, wurden von den Leiternder Bewegung neue Vorstellungen in der Hosburegemacht u. nun wurde die Nationalgarde u. Ausheb-nngderCensnrbewilligt. DicFrende hierüber wurdewieder gedämpft Lurch die 'Nachricht, daß F-ürstWiu-dischgrätz alle nöthigen Vollmachten zur Wiederher-stellung der Ruhe erhalten habe und daß demselbenalle Civil- und Militär-Autoritäten untergeordnetseien. Und schon ries das Volk auch wieder nach einerneuen Concession, es verlangte eine Constitution.Doch ließ man sich für jetzt durch die im Namen desKaisers abgegebensErklärung des FürstenWiudisch-grätz beschwichtigen, daß das Gewünschte morgen ge-schehen werde. Am 15. März wurde die beschlosseneEinberufung von slavischen, deutschen und italieni-schen Stäude-Ausschüssen kundgethan, zugleich aberWien in Belagerungszustand erklärt. Die Möglich-keit einer Katastrophe war hiermit in nächste Nähegerückt, aber in den höchsten Kreisen selbst war un-terdessen ein Umschlag eingetreten, welcher dieselbefür jetzt noch abwendete. Von wesentlichem Einflußhierauf schienen die eben eingelaufeuen Nachrichtenaus Ungarn, wo ein verantwortliches Ungar. Mini-sterium mit dem Sitze im Lande gefordert wurde,gewesen zu sein. Der Kaiser erschien plötzlich im offe-nen Wagen, fand eine enthusiastische Begrüßung u.von da an gewann eine ruhigere Stimmung die Ober-hand. Nach der Ankunft des Palatin Stephan, derUngarns Forderungen überbrachte, wurde das kai-serliche Patent verkündet, welches die Preßfreiheitanerkannte, die Nationalgarde auf den Grundlagendes Besitzes und der Intelligenz und die wiederholteEinberufung von Abgeordneten der durch BürgerverstärktenProvinzialstände zumBehufe derbeschlos-senenConstituirungdes Vaterlandesversprach. Manwar völlig befriedigt. Von den Provinzen waren indiesen Tagen außer Ungarn nur Steiermark u. Böh-men in den Vordergrund getreten. In Prag, demMittelpunkte verschon seit geranmerZeit immer aus-geprägter hervortretenden czechischen Natioualitäls-bestrebungen, bildete auch die Czechenpartci den Kernder Bewegung. Die am 15. März Abends durch denGrafen Stadion im Theater verkündigte Verleihungder Constitution durch den Kaiser rief in Prag großeFreude hervor. In Graz wurde die Bewegung durchdie Ankunft des Erzherzogs Johann gemindert undvollends durch die Verkündigung der kaiserl. Con-cessionen niedergeschlagen.
Das für jetzt dringendste Bedürfniß für den Staatwar 21. März die Bildung eines verantwortlichenMinisteriums , welches an die große Aufgabe gehensollte, den völligen Neubau des Staates wenigstens