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Oeil — Oer.
Nachts wieder auftremite, was sie am Tage gewebthatte, so wurde das Gewand nicht fertig. Endlichaber, da die Freier ihre List durch untreue Mägdeerfuhren, u. auch Telemachos, welcher sich zuletzt selbstbei Nestor u. Menelaos nach dem Vater erkundigt u.keine sichere Nachricht erhalten hatte, in die Mutterdrang, sich einen neuen Gatten zu wählen, damitsein Haus frei werde von den schamlosen Gästen, sahPenelope sich zur Wahl gezwungen. Gerade in die-sen Tagen kam O. nach Jthaka. Nachdem er sichmit Telemachos im Gehöfte des Eumäos über denPlan zur Rache an den Freiern besprochen hatte,ging er als Bettler nach dem Palast. Niemand kannteihn, nur der alte treue Haushund Argos winseltefreudig dem erkannten Herrn entgegen u. starb dannsogleich. Der den Freiern ergebene Ziegenhirt Me-lanthios (Melantheus) mißhandelte Len an der Thürsitzenden O., und der Freier Antinoos warf sogar,als O. um eine Gabe bat, den Fußschemel nach ihm;dann forderten ihn die anderen ans, mit Jros, demHausbettler, zu ringen, welcher bald unterlag. DesAbends zu Penelope geführt, verkündete er ihr, daßO. noch lebe und bald znruckkehrcn werde. Die Kö-nigin befahl, ihn alsGast zu halten, u.beim Badenerkannte die alte Dienerin Euryklea ihren Herrn ander vernarbten Wunde, welche er einst auf der Eber-jagd erhalten hatte. O. gebot ihr Schweigen. Amanderen Morgen sollte die Wahl der Penelope ge-troffen werden; sie wollte nämlich den heirathen,welcher den großen Bogen des O., wie dieser selbst,spannen u. damit durch 12 oben durchlöcherte Axt-eisen einen Pfeil abschießen werde. Jetzt entdecktesich O. dem Eumäos u. dem Rinderhirten Philötiosdraußen im Hofe und befahl Letzterem, den Hof zuschließen. Unterdessen versuchten die Freier verge-bens den Bogen zu spannen; der verkappte Bettler-begehrte denselben, um ebenfalls die Probe zu ma-chen. Auf Befehl des Telemachos n. der Penelopewurde er ihm gereicht; er spannte ihn und schoß denPfeil zu aller Erstaunen durch alle 12 Löcher. Sinnwinkte O. dem Telemachos, sich zu Waffen,-warf seinBettlergewand ab und erlegte den Antinoos durcheinen zweiten Pseilschuß. Stürmisch erhoben sich dieübrigen, doch als O. sich nannte, begann Euryma-chos, im Namen der Übrigen, um ihr Leben zu bit-ten. Vergebens; in furchtbarer Kampfesarbeit er-legten O., Telemachos, Eumäos und Philötios dieFreier alle. Hierauf hängten O. und Philötios 12Sklavinnen auf, welche den Freiern zu Willen ge-wesen waren, n. den Melanthios, welcher den FreiernWaffen zugetragen hatte. Nur der Sänger Phemiosu. der Herold Medon wurden verschont. Nun kamPenelope herbei, welcher sich O. zu erkennen gab.Am folgenden Morgen besuchte O. seinen in ländlicherZurückgezogenheit lebenden Vater La'ertes, währender aberbeidiesem schmauste, erschienen dieVerwandtenu. Freunde der getödten Freier, um diese zu rächen.MuthigtratihnenO. entgegen,», sieschlossen Frieden.k>) Nachhoinerisches. In weit unvortheilhafteremLicht erscheint er bei späteren Dichtern (Sophokles,Enripides, Virgil rc.), nicht ohne den Vorgang ver-loren gegangener kyklischer Dichtungen aus dertrojan. Sage. Nicht selten producirt er sich als in-trigant, winkelzügig, falsch, als fertiger Sophist, wassich auch darin ausdrückt, daß er als Sohn der An-tiklea und des durchtriebenen Sisyphos bezeichnet
wird; doch zeigt er sich im Ajas des Sophokles als edlerFeind. Auch kamen viele neue Zuge in seine Sageoder Abweichungen von der ältesten Überlieferung.Davon sei einiges erwähnt. O. hält sich vom Zugenach Troja zurück. Als der enböische Held Palame-des ihn dazu holen will, stellt er sich wahnsinnig,spannt ein Pferd und einen Stier in dasselbe Jochackert damit u. säet Salz. Da legt ihm Palamedesden kleinen Telemach in den Weg u. O., indem erden Pflug anhält, verräth sich. Sehr bald bewährter sich als sehr branchbarcsWerkzeug derHeerfiihrer.Er lockt durch einen netten Kunstgriff den Achilleusaus seiner idyllisch-romantischen Verborgenheit vonder Insel SyroS weg. Er besorgt auf höheren Be-fehl kaltherzig die Aussetzung des Philoktctes auf deröden Seite von Leinnos; n. als die Zeit gekommeiybemüht er sich ebenso herzlos u. mit rasfinirter List,
dem PhiloktetseinenBogenabzngewinnen (Sophokles
Philoktet). Als Agamemnon zu Aulis sich weigert,seine Tochter Jphigenia zur Opferung hcrzngeben,lockt sie O. durch eine Lüge dahin. Gegen Len Pa-lamedes stiftet er eine boshaft-falsche Anklage, diedessen Steinigung zur Folge hat. Auch von seinemTod wissen Spätere zu erzählen. Es heißt, er habemit der Kirke den Telcgonos erzeugt, die Mutteraber nachmals den Sohn nach dem Vater ausge-sandt. Telegonos, von Sturm nach Jthaka verschla-gen, habe im Kampf unwissentlich seinen Vater durcheine mit dem Stachel eines Meerrochen zugespitzteLanze erlegte.
Oeil (franz.), Auge; so 0. äo Hoonk, Ochsenauge,kleine runde Fenster in dem Fries od. den Dächerngroßer Gebäude. Von dem 0. cks Loorck, das sichim Schloß zu Versailles in dem Vorzimmer befand,in welchem zur Zeit Ludwigs XIV., XV. n. XVI.die Hofleute auf das Lever des Königs warteten n.das derSitzder Oüronignssoanckalsnss war, welchesich über Versailles u. Paris erstellte, Chronik des 0.äs lloouk so v. w. Scandalchronik eines Hofes.
Oeil äo porärix (d. i. Nebhnhnange), eine vorzüg-liche Sorte hellrother Champagner.
Oeiras, Stadt im Districte Lissabon der portug.Pro». Estremadura, an der Mündung des Tajo inden Atlantischen Ocean; Schloß des Marquis vonPombal mit Park, Fischerei; 1863: 2683 Ew. Inder Nähe das Fort S. Julias.
O'er, Theobald von, Geschichtsmaler, geb. S.Oct. 1807 auf-dem Ritterguts Nottbeck bei Stcrn-berg (Westfalen), bildete sich unter Matthäi in Dres-den, dann 1832—1836 in Düsseldorf bei Schadow,hierauf in Belgien, Frankfurt und Algier, zuletzt irRom, worauf er sich in Dresden niederließ. Er be-kundet viel Sinn für das Charakteristische, genaueKenntniß der Form n. gutes Verständnis; der Farbe.Bekanntere Werke dieses Meisters sind: Hans Sachs;Camoeus und sein treuer Neger; Albrecht Dürer inVenedig, erhält den Besuch Gian Bellinis u. dessenSchüler; Die erste Vorlesung der Räuber durchSchiller; König August III. bei Ankunft der Sixti-nischen Madonna in Dresden; Herzog Karl Augustn. Goethe nach der Jagd bei Jlmenau; Friedrich d. Gr.inNheinsberg. O. betheiligte sich am DentschenBalla-denbuch (Lpz. 1852), an der Deutschen Geschichte inBildern (Dresd. 1855) u. illustrirte mit Reinicke dieWnrzelprinzessin (Lpz. 1848). Er ist Titularprofessoru. Ehrenmitglied der Dresdener Akademie. Regnet.