656 Odcrbruch -
Oderbruch , großes Bruch an der Oder in denKreisen Lebus, Küstrin, Königsberg u. Ober-Bar-nim der preuß. Provinz Brandenburg, 56 Lm langu. 12 — 30 Lrn breit; ehedem eine sumpfige Flächemit vielen Wasserlänfen u. seichten Seen, die einenaußerordentlichenFischreichthnmbesaßen; wurde un-ter Friedrich d. Gr. durch Anlegung des Oderkanalsoder der Neuen Oder u. zahlreicher Abzugsgräben1747—1753 entwässert (der untere nördliche Theilvollständig erst 1849—60 durch Umwallung). Ge-gen Überschwemmung ist das O. durch Dämme ge-schützt. Es besteht gegenwärtig größtentheils ausfruchtbarem Ackerland, nur der nördlichste Theil meistaus Wiesen. Vgl. W. Christians, Das O., 2. A.,Freienwalde 1872;Hilliges, DerO.,Wrietzenl874.
Oäerint, dum metiiant (lat.), mögen sie (mich) has-sen, wenn sie (mich) nur fürchten! Wahlspruch desrömischen Kaisers Caligula, nach Anderen des Nero.
Odermennig (Odermenge) ist x^rimoma Lu-xatorlum.
Odernheim, Städtchen im Bez.-Amt Kirchheim-bolanden des bayer. Regbez. Pfalz (Rheinpfalz), amGlan; etwas Weinbau; 1875: 1347 Ew. — Dabeidie große Ruine der angeblich vom irländischen Apo-stel Disibod (der um 545 od. 674 hier gestorben seinsoll) gegründeten Benedictinerabtei Disibodenberg.Sie wurde 1560 vom Pfalzgrasen Wolfgang einge-zogen u. ihr Vermögen zur Dotirung der Schule zuHonbach verwendet. Ein Versuch, das Kloster imDreißigjährigen Kriege durch Cistercienser wiederaufleben zu machen, mißlang.
Oderwitz, großes Fabrikdorf in der königl. sächs.Kreishauptmannschaft Bautzen (Oberlausitz), Sta-tion der Sächs. Staatsbahnen; besteht aus den 3Gemeinden: Ober-O., in derAmtshauptmannschaftLöbau, mit (1875) 3711 Ew., Mittel-O., mit 905Ew., und Nieder-O., mit 2721 Ew., in der Amts-hauptmannschast Zittau; mit starker Leinenweberei,Sagemühlen, Fabrikation von Kinderwagen re.
Odcscalchi, alte römische Familie, aus welcherPapst Jnnocenz XI. stammte. Dessen Brudersohn,Livio I., wurde 1689 vom Kaiser Leopold I. in denerblichen Ncichsfürstenstand erhoben und ihm 1694das Herzogthum Syrmien als freies Majorat ver-liehen. Livio I. st. 1713 kinderlos; sein Schwester-sohn, Marchese Baldassarre d'Erba, aus mai-ländischer Familie, erhielt 1744 Titel, Namen undWürden der O.
Odessa, unabhängige Stadt im russ. Gouv. Cher-son, am Schwarzen Meere, auf hoher Küste, von derzwei breite Treppen von je 200 Stufen zum Hafenhiuabführen; rings von Steppe umgeben; ist diedritte Stadt des Russischen Reiches, die wichtigsteHandelsstadt des Schwarzen Meeres u. Ausgangs-punkt dreier Eisenbahnen. Obwol im Innern nochzum Theil ungleichmäßig gebaut, gehört O. doch zuLen schönsten Städten Rußlands, ja Europas. Diemit Granit gepflasterten Straßen sind größtentheilsmit Bäumen bepflanzt; besonders glänzendistder amRande des Plateaus parallel dem Strande hinlau-sende Boulevard, mit Statue des Herzogs von Ri-chelieu. Spaziergänge sind der Krongartcn, dervom Herzog v. Richelieu der Stadt geschenkte Gar-ten und der neu angelegte Alexanderpark. Von denkirchlichen Gebäuden entsprechen nur die katholischeKirche u. die beiden Synagogen den Anforderungen
— Odcum.
I architektonischer Schönheit, doch verdient die große5000 Menschen fassende Kathedrale mit schöner Kup!pel u. verschiedenen bedeutenden Gemälden Erwähn-ung. Andere hervorragende Gebäude: die Börsemit ionischer Colonnade, das Museumsgebäude, derkaiserl. Palast, die Handelsschule, das Stadthospitalaußerdem eine Menge schöner Privatpaläste rc. O.ist seit 1865 der Sitz der Neurussischen Universitätmit 3 Facultäten (historisch-philologische, physiko-mathematische und juristische), verschiedenen natur-historischen Sammlungen, botan. Garten, Physikal.Cabinet, chem. u. Physiol. Laboratorium, Bibliothekvon 75,817 Bdn. u. 115 Handschriften, erfreut schaber keiner besonderen Blüthe und zählt nur etwa350 Studirende. Ferner: 3 Gymnasien, 2 Progym-nasien , 2 Realschulen, Seminar, vorzügliche Han-delsschule, Töchter-Gymnasium rc.; Gesellschast slirGeschichte und Alterthumskunde, naturwissenschaft-licher, landwirthschaftlicher u. medicinischer Verein.Seinen Wasserbedarf erhält die Stadt durch eine vomDnjestr hergeführte Wasserleitung. In industriellerHinsicht nimmt O. keine hervorragende Stelle ein,doch sind die Dampfmühlen, Spiritusbremiercien,Bierbrauereien, Seifen- u. Leimsiedereien, sowie dieEisengießereien immerhin von Bedeutung. Auch dieSalzgewinnung in den Limanen ist erheblich, da diejährl. Production fast 1-ß Mill. Pud erreicht. ImJahre 1876 erreichten die industriellen Erzeugnisseeinen Werth von etwa 16 Mill. Rubel. Um so wich-tiger ist der Handel, dem zwei sichere durch Batte-rien vertheidigte Hafenanlagen, eine für die Küsten-schifffahrt, die andere für die lange Fahrt (Quaran-länehafen) dienen; letzterer ist mit großenKosten ganzrenovirt. DerGesammtgehalt desHafenverkehrs be-lief sich 1871 auf 873,486, 1875 auf 758,374 und1876 ans 939,696 Tonnen. 1876 betrug der Werthder Ausfuhr 52 Mill., derjenige der Einfuhr 50 Rill.Rubel; von ersterer kam allein auf Getreide 94°/°.Zum Hafen gehört ein großer Leuchtthurm mitelektrischem Licht. Ein wichtiges Institut ist die Russ.Gesellschaft für Dampfschifffahrt u. Handel, die ver-mittels 80 Dampfern den Personen- u. Gllterdienstim Schwarzen Meere, der Levante, nach Marseille,London und nach China versieht. Mit Kilia ist O.durch ein unterseeisches Kabel verbunden. 1875:183,OOOEw. (einschließlich der Garnison), eine bunteMusterkarte von Nationalitäten; es gibt darunter inerster Linie: Deutsche, Engländer, Italiener, Fran-zosen, Griechen; außerdem Polen,Armenier, Juden,Tataren, Bulgaren, Rumänen, Serbier, Czechen rc.In der Nähe der Stadt, in den Limanen, gibt eSverschiedene. Heil-Badeanstalten, die zwar in thera-peutischer Hinsicht Ruf, aber nur primitive Einricht-ungen haben. O. wurde 1792 südwestlich von demalten Odessos auf der Stelle des früheren tatarischenDorfes Chadschibey von der Kaiserin Katharina II.angelegt u. blühte schnell empor, bes. unter der Ver-waltung des Herzogs von Richelieu, 1803—1314.Die Einwohnerzahl steigerte sich in dieser Zeit von8000 auf 35,000. Nach Richelieu machten sich dieGrafen Langeron u. Worouzow um das WachsthumO-s verdient. Von 1817—57 (15. Ang.) war O.ein Freihafen. 10. April 1854 wurde es von derenglischen Flotte bombardirt. Schroot.
Odömn (v. gr. Odeion), 1) Gebäude, in welchempoetische u. musikalische Wettstreite angestellt wurde».