Druckschrift 
11 (1889) Die Reichstagssessionen von 1880 - 1881
Entstehung
Seite
30
Einzelbild herunterladen
 

Die Reichsüigssesswn vvn 1880.

nehmen, wir sind also bereit, die vorhandene Oppositionim Reichstag zn stützen, mag sie ansgehen, von wem siewill, sür sie mit einzntreten, das Hemd ist uns näherals der Rock, es geht uns der Partiknlarismus naher alsdie Reichsinteressen. Es finden sich auch andere Regie-rungen, die sich durch den Reichstag einschüchtern lassendie Furcht vor parlamentarischen Unannehmlich-keiten ist ja bei den meisten Politikern und auchbei denjenigen, die ihr ganzes Leben darunterzugebracht haben, vielleicht viel größer, als siebei mir ist. (Heiterkeit.)

Ich habe in meinem Leben Gelegenheit ge-habt, meine Probe dahin zu machen, daß ich michnicht überlaufen lasse; ich habe mich weder vonparlamentarischen noch von partiknlaristischen Bestrebungenüberlaufen lassen, und ich hoffe, Gott wird mir auch fürmein jetziges Alter, obschon ich körperlich geschwächt bin,die geistige Energie nicht verkümmern, daß ich jedemsolchen Versuch des Ueberlanfens dauernd und fest ent-gegentrete. (Bravo! rechts.)

Vor allem möchte ich vor dem Versuch warnenalso ich spreche von den Einschüchterungsversuchen gegeneinzelne Regierungen, vor allem möchte ich vor derTendenz warnen, bei diesen Einschüchterungen zwischenden Regierungen Unfrieden zn säen. Meine Herren,der Friede der Regierungen, der feste, vertrauensvolleFriede der Regierungen unter einander ist der unentbehr-liche Hort der Sicherheit unserer Verfassung. Glauben Sienicht, daß irgend ein Reichstagsrecht fester steht als einRegierungsrecht, als die Bundesratsrechte, als die Rechtedes Präsidiums; alles beruht auf derselben Basis des Ver-trages, den die Regierungen untereinander geschlossen haben.