26 Die Reichstagssession von 187».
Oeffentlichkeit. Ich bin, ehe ich überhaupt in das Amttrat, in derselben Weise beurteilt worden mit Bezug aufjede politische Befähigung, wie ich jetzt in Bezug aufmein Recht, ich möchte sagen, meine Pflicht, beurteilt werde,in wirtschaftlichen Dingen mitzureden. Ich erinnere mich,wie ich als Bundestagsgesandter nach Frankfurt er-nannt wurde, kam in den Blättern, die den politischenFreunden des Abgeordneten Richter von damaliger Zeit,vielleicht ihren Vätern und Oheimen angehörten, die Be-merkung über mich: Dieser Mensch würde, wenn manihm das Kommando einer Fregatte anvertraute oder einechirurgische Operation zumutete, sagen: nun, ich habe esnoch nicht probiert, ich will es einmal versuchen*). Daswar die Schilderung, mit der man mich den FrankfurterKollegen und vor allen den österreichischen in den libe-ralen Blättern empfahl. Nun, meine Herren, diese chirur-gische Operation ist nachher zu ihrer Zufriedenheit, wieich glaube, vollzogen worden. Noch als ich Ministerwar, erinnere ich mich, daß in den damaligen liberalenBlättern die Wendung stand: wie kann man „diesemMenschen" — und nun kommt eine Charakteristik vonmir — die erste Stelle in Deutschland anvertrauen! Ichweiß nicht, ob ich aus der Versuchung dieser ersten Stellein Deutschland, die nachgerade l7 Jahre in meinenHänden ist, länger als jemals ein Minister in konstitu-tioneller Zeit der Oeffentlichkeit und allen Stichen undKritiken derselben gegenüber gestanden hat — ob ich dieseStelle zur Zufriedenheit ausgefüllt habe, ob in dem
*) Hesekiel erzählt im „Buch vom Grafen Bismarck", der an-gehende Bundestagsgesandte habe zu König Friedrich Wilhelm IV.angesichts der Bedenklichkeiten desselben geäußert! „Ew. Majestätkönnen es ja mit mir versuchen."