Der Reichskanzler und Herr Abgeordneter Lasker. 177
sie es ehrlich und gewissenhaft verstanden, ganz ruhigbis auf den heutigen Tag weitergeführt haben. Das istdie Konsequenz, zu der die ministerielle Anarchie führt,die dem Herrn Abgeordneten Lasker, so lange er nochnicht die von mir angedeutete Probe gemacht hat, vor-schwebt. Er ist ein zu praktischer Kopf, um, wenn erdeni Geschäft auch nur acht Tage als MinisterpräsidentVorstände, dabei zu bleiben. Der Gedanke, daß in Ab-wesenheit des Kanzlers oder des MinisterpräsidentenZustände eintreten können und Maßregeln zu treffen sind,die mit der politischen Ueberzeugung, mit der ganzenPolitik, die er verfolgt, mit der ganzen Richtung inschreiendem Widerspruch stehen, der ist ihm ganz absolutunmöglich; er würde auch die Verantwortlichkeit desPremierministers, dessen Name doch, wenn irgend etwasim Ministerium schlecht geht, sehr leicht in den Vorder-grund gedrängt wird, nicht begreifen. Solche Verhält-nisse können ja durch den Willen des Monarchen, derdie Minister zu ernennen hat, eine Zeitlang dauerndwerden. Jeder Monarch hat das Recht, seine Ministereine gewisse Zeit lang — sehr lange hält das keineraus — zum Zusammenbleiben zu verurteilen, auchwenn sie sich untereinander nicht vertragen können undnicht einig sind; das kann in persönlicher Vorliebe, inAbneigung gegen Aenderung und Personalwechsel liegen,ist aber auf die Dauer nicht durchführbar, es hat schließ-lich, wenn nichts anderes hilft, notwendig den Rücktrittdes leitenden Ministers zur Folge, sowie er das Ge-fühl hat, daß er mit seinen Kollegen nicht nach denselbenZielen strebt.
Ich würde des Z 3 nicht bedurft haben; ich glaubeauch, daß er zuerst in der Vorlage nicht war, und als
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