Druckschrift 
9 (1889) Verwaltungsreorganisation, Orientfrage, Socialistengesetz : 1877 - 1878
Entstehung
Seite
178
Einzelbild herunterladen
 

178

Die Reichstagssession von 1878.

er hineingebracht war, hat es mich überrascht, daß mandas Bedürfnis hatte, dies ausdrücklich auszusprechen.

Nachdem aber so viele Gründe gegen das Beibe-halten angeführt sind, kann ich doch nur dankbar sein,daß diese Vorsicht geübt ist und kein Zweifel darübergelassen wird, denn die Krisen, zu denen das sehr baldführte, wenn nach andern Grundsätzen verfahren werdensollte, sind weder für mich noch für die Kollegen, dieich haben würde, wünschenswert. Deshalb möchte ichbitten, die Klarheit, die Z 3 der Vorlage gibt, jetzt bei-zubehalten.

Der Abgeordnete Laster nahm dem Reichskanzler die vor-stehende Rede sehr übel.Sie ist," sagte er u. a.,nicht ein Angriffauf meine Politik allein, sondern auch auf mich als Menschen, wieich dem Lande gegenüberstehe. Woher nimmt der Herr Reichs-kanzler die Berechtigung, mir zu sagen, daß ich als mein Idealbetrachte die politische Zerfahrenheit und die ministerielle Zer-fahrenheit? Als im Norddeutschen Bund der dem Herrn Reichs-kanzler sehr unliebsame Antrag Münster-Twesten auf Einsetzungvon Bundesministern (ani 16. April 1869; man vgl. Band IV,Seite 210 ff.) zur Debatte stand, da war es gerade mein Hinweisauf das englische System, der den Herrn Reichskanzler versöhnte(vgl. Band IV, Seite 232). Soviel wenigstens muß im Parlamentgelten, daß das freie Wort auch zur Verteidigung dafür diene, daßman nicht vor dem Lande in ein andres Licht gestellt werde, alswozu das politische Verhalten im Parlament berechtigt. Waremein Ideal politische Zerfahrenheit, so wäre ich ein Schwachkopfoder ein Verbrecher; keins von beiden will ich mir von dem HerrnReichskanzler aufbürden lassen. Ich erkenne willig die Verdienstedesselben an, aber ich will mir auch meine Wirkung in meinemKreise durch eine den Thatsachen widersprechende Kritik nicht ver-kümmern lassen." Der Reichskanzler gab zur Antwort:

Auch ich werde mir meinerseits das Recht der Kritikund der freien Rede durch den Herrn Abgeordnetenebensowenig verkümmern lassen, wie ich je die Absicht