144
Die Reichstagssession von 1878.
Ich habe nur eine öffentliche Aeußerung darüber aufge-schoben, weil ich das Bedürfnis hatte, zuerst noch imBundesrat und im Reichstag die Ansichten über das vonmir erstrebte Ziel zu kennen. Das Ziel, das von meh-reren Seiten, beinahe von allen, die günstig bis auf denletzten Redner sich ausgesprochen haben, als erstes undallein schon sehr bedeutendes bezeichnet worden ist, ist daseiner Verbesserung, einer Vereinfachung der zwischen demReich und den Einzelstaaten geteilten Finanzverwaltung.Um das zu erreichen, wird es eine große Erleichterunggewähren, wenn wir ein gesondertes Reichsfinanzamteinführen, welches"zngänglich ist, ohne durch den jedes-maligen Präsidenten des Reichskanzleramts erst den Zu-gang zu ermitteln, welches die Reichsfinanzsachen direktaus rein finanziellem Standpunkt sowohl mit den Mi-nistern der übrigen Einzelstaaten, als auch namentlichmit dem preußischen Finanzministerium verhandeln kann.Daß das erleichtert ist, wenn das Reichsfinanzamt alleindasteht, glaube ich damit beweisen zu können, wenn ichSie bitte, zu erwägen, wie sehr es erschwert sein mußtezu der Zeit, als das ganze Reichskanzleramt unter demgeschlossenen Vorsitz eines sehr sachkundigen Finanzman-nes, des Herrn Präsidenten Delbrück war. Da würdedie Verständigung eines Finanzministers, eines Partiku-larstaats mit den dem Präsidenten untergebenen einzelnenVortragenden Räten auf direktem Wege eine große Schwie-rigkeit gehabt haben. Dieser direkte Weg muß abermeines Erachtens unbedingt hergestellt werden.
Daß unsre Reichsfinanzleitung bisher nicht die Er-gebnisse geliefert hat, die ich selbst von ihr wünsche, unddie das Reich von ihr erwartet, mag ja zum Teil anden eigentümlichen Richtungen und Ueberzeugungen der