34 Die Neuorganisation des preuß. Ministeriums 1877—78.
Die Frage, warum wir uns überhaupt über dieseDinge nicht schlüssig gemacht haben, will ich nur mitwenigen Worten berühren. Einmal bin ich, der sie haupt-sächlich betrieben hat, in einem Zustand von Krankheithierher gekommen, der mir nur wenige Arbeitsstundentäglich und namentlich nur sehr wenig Verkehr mit mei-nen Kollegen gestattete. Es ist kein dankbares Gewerbe,sich bis zu diesem Grade mit seiner Person einzusetzen,man wird stets wie ein kerngesunder Mensch behandelt,von dem alles verlangt wird, was ein tüchtiger und ge-sunder Mensch bei Tag und Nacht hätte leisten können.Indessen auch, wenn ich arbeitsfähiger gewesen wäre,um den Ueberzeugungen Nachdruck zu verschaffen, die ichseit fünfzehn Jahren habe, und von denen ich mir viel-leicht nach menschlicher Gewohnheit eingebildet hätte,daß sie von den meisten wohlgesinnten Leuten — ich sehe,das ist nicht der Fall — in demselben Maße geteiltwürden, so daß sie gewissermaßen wie reife Früchte amBaume hingen, man brauche nur anzustoßen, so würdensie fallen ... so habe ich mich darin geirrt; auf der Handliegt, daß ich diese Vorlage erst im Staatsministeriumzum Abschluß bringen und das Staatsministerium siebei Ihnen einbringen konnte, nachdem im Reichstage dasGesetz über die Stellvertretung zu einem Abschluß*)gekommen war. Wenn dieses ganze Gesetz an dem etwai-gen Zwiespalt zwischen Reichstag und Bundesrat geschei-tert wäre, dann wäre eigentlich für eine Stellvertretungdieser Art kaum ein Anlaß gewesen, wir hätten uns dannbehelfen müssen wie bisher, mit einer selbständigen Ver-
*) Das sogenannte Stellvertretungsgesetz war vom Reichstageam 9. Marz angenommen worden.