12 Die Neuorganisation des preuß. Ministeriums 1877—78.
Ich war im Staatsministerium nicht unterrichtet; ichhabe meine Herren Kollegen danach gefragt, ob einer vonihnen amtlich unterrichtet gewesen war, und sie habenmir das verneint. Wird das bestritten, so erwarte ich,daß der Akt, — er muß ja sestzustellen sein — durchwelchen die Regierung davon unterrichtet ist, vor Erlaßjener Tagesordnungen, von denen ich spreche, vorgelegtwerde. Für diesen Fall kann es ja an meiner Nach-lässigkeit liegen, daß ich ihn nicht gelesen habe; ich glaubeaber nicht, daß er existiert. Ich bin, wie gesagt, inder Ueberzeugung gewesen, daß der Landtag seine Thä-tigkeit erst nach dem Schluß des Reichstages wieder auf-nehmen würde, daß wir also vollständig die Zeit habenwürden, bis dahin die Vorlagen, die wir noch zu machenhatten, vorzubereiten. Wenn jetzt nun, nachdem dieSitzungen des Landtages früher wieder ausgenommensind, als ich erwartet hatte und nach dem, was mirbekannt war, erwarten konnte, die Vorlagen hergestelltwerden sollten, da wir doch nicht unnötig den Landtaggegen seinen Willen so lange hier zurückhalteu woll-ten, — so ist da cliliAsntia prästiert, soweit wirkonnten.
Man könnte sagen, wir hätten in der ersten Sitzungvor acht Tagen diese Vorlage einbringen können, dawar sie aber noch nicht fertig. In einem Ministerium,in dem der Minister des Innern fehlt"'), in dem derFinanzminister in seiner Thätigkeit seit fast zwei Wochen,glaube ich, schon fehlt, arbeiten sich die Vorlagen nichtso rasch; sie wollen entworfen sein, es hat eine erheb-liche kalkulatorische Arbeit stattfinden müssen; das Staats-
*) Vgl. die Einleitung zu dieser Rede.