386 Der preußische Landtag 1868—70.
ihre volle Thätigkeit auf die Zerstreuung falscher Kriegs-gerüchte verwendet: sie hat in diesem Augenblick die Ueber-zeugung, daß die europäischen Regierungen von friedlichenJntensionen beseelt sind, und sie hat das Bedürfnis, daßdas Publikum endlich zu demselben Glauben und zumVertrauen auf friedliche Zustände gelange. Schon imInteresse der nationalen Würde sind die Quellen abzu-schneiden, aus denen deutsche Blätter besoldet werden,die in schamloser Oeffentlichkeit eine starke und kriegs-tüchtige, aber ebenfalls friedliebende Nation, wie dieFranzosen, zum Kriege gegen Deutschland ausfordernund offen die Hoffnung aussprechen, das Vaterland,Deutschland, werde in diesem Kriege unterliegen. Mirsind in der Presse Vorwürfe gemacht worden, daß ichsolchen Erscheinungen gegenüber die diplomatische Ruhe,die meine Stellung erfordert, nicht zu bewahren vermöchte;ich muß nun aber sagen: wer über solche Niederträchtig-keit nicht in Zorn gerät, hat ein anders organisiertesNationalgefühl, als mir eigen ist! (Lebhaftes Bravo!)
Auch im Herrenhause wurden die Beschlagnehntungsvorlagenangenommen; am 6. März erfolgte der Schluß der Session. Wäh-rend der Herbstsession 1869 hat Graf Bismarck das Wort nichtgenommen.