374
Der preußische Landtag 1868—70.
Glauben gefunden hatten. Die Zeit ist mir selbst damalsals eine unsichere erschienen — und sehr ängstlich binich in der Regel nach dieser Richtung nicht, ich bin auchnicht gewohnt, mahrheitswidrige Zeugnisse abzulegen, auchwaren die Dinge offenkundig; ich kann also sagen: eswar eine Gefahr der Friedensstörung hauptsächlich durchMißverständnisse, durch Verdrehung von Thatsachen, durchunwahre Angaben über die Politik dieser Negierung ge-schaffen worden. Wie voll der Becher schon war, istschwer zu beurteilen: welcher Tropfen ihn zum Ueberlaufenbringen konnte, ist nicht zu sagen. Aber wenn mächtigeGeldmittel, wenn Koalitionen der verschiedenen Parteien,welche die Störung des Friedens wünschen, eine gewisseBedeutung erlangen, daß dann die Negierung mit großerAufmerksamkeit diese Symptome verfolgen muß, daß esihre Pflicht ist, rechtzeitig das Land vor Schaden durchStörung des Friedens zu bewahren — das werden Siemir alle zugebe». Nun konnte es der Beobachtung derRegierung nicht entgehen, daß das Austreten der Emi-gration, welche sich an die Häuser Este und Brabant ge-kettet hat, genauen Schritt hielt mit der Steigerung derKriegsgefahr, daß die Emigration sehr wohl unterrichtetwar von Geheimnissen der Kabinette, die uns nicht imimrgleichzeitig und in dem Maße bekannt waren. In gleichemMaße wie die Kriegsgefahr steigerte sich die Agitation,steigerte sich die Sprache der Kurfürstlichen Organe. Voneinem anonymen Machwerk — dem bekannten Ausruf,der vielleicht dem Kurfürsten gar nicht bekannt gewesenist, der vielleicht für hannoversches Geld mit Mißbrauchdes hessischen Namens geschrieben wurde — von diesemanonymen Aufruf steigerte sie sich bald durch direktereTeilnahme des Kurfürsten; je höher die Kriegsgefahr