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die Selbständigkeit des Zöglings an. Sie leitet den Schülerzum freien Gebranch seiner Sinne und Glieder, zum Selbstsehen,Selbstbeobachten, Selbstdenken und Selbstthun an; das Mittel,welches sie anwendet, ist mit einem Worte die Selbstthätigkeit.
Dnrch die Ausführung dieses Prinzips ist allmählich dasentstanden, was wir die moderne Schule ueunen. JederUnterrichtsgegeustaud wird nach seiner Eigentümlichkeit und nachden Naturgesetzen der Entwickelung des menschlichen Geistes be-handelt, und die Disziplin, soweit sie nicht in der Doktrin auf-geht, bestrebt sich, das Vernünftige in dem Gesetze erkennen undmit freiem Entschlüsse befolgen zu lehren. Der Schiller lerntnicht, was er nicht versteht, sondern er behält, was er begriffenhat. Der entwickelte Schüler glaubt nicht, weil dieses oder jenesgeschrieben steht, oder ein „heiliger Mann" es ihm sagt, sonderner glaubt, was er als wahr erkanut hat. Er befolgt nicht un-verstandene Regeln, sondern er dringt in das Wesen der Sacheein und bildet sich selbst die Regel.
Diese Gesetze des pädagogischen Liberalismus, d. h. derentwickelnden Erziehung, sind nach und nach auf alle Zweige desLernens und Übens angewandt worden und werden es immermehr, nur nicht, wenigstens nur sporadisch, auf die Religion.Hier herrscht noch bis diesen Tag der pädagogische Absolutismus.Zwar hatten die großen Pädagogen der Aufklärungsperiode denAnfang geinacht, die Religion vernünftig zu lehren; aber derFortschritt darin wurde zuerst durch die Zeit von „Deutschlandstiefster Erniedrigung", daun durch den Einfluß der pietistisch-absolutistischeu Reaktion gehemmt. Daß die Wirkung jenerMänner nicht verloren war, zeigte sich durch die ihre Richtungverteidigenden tausend Stimmen frei gewordener deutscherLehrer im Jahre l848. Das Jahr 1849 hat einen neuen Still-stand hervorgebracht. So stehen denn die Prinzipien, »ach welchenin einer fortgeschrittenen Schule alle sogenannten profanen Gegen-stände behandelt werden, mit dem Prinzip des Religionsunter-richts im schneidendsten Kontraste. Jene legen es überall ansdie Entwickelung und die Selbstthätigkeit des Schülers an; diesestrachtet nach seiner Fesselung unter einer äußeren Autorität.