370
Die absolute Regierung erkennt daher in der absolutenReligion eine Verwandte oder Verbündete, und umgekehrt.
Daher die Erscheinung, daß absolute Regierungen die ab-soluten Religionen begünstigen, und daß die absoluten Religionenzu absoluten Staatsformen führen. Wo dies nicht der Fall ist,da wirken andere Momente ein.
Die absolute Regierung erkennt in dem Altar einen Schutz,und die absolute Religion in der absoluten Negierung eineHelferin gegen „gefährliche Neuerungen", gegen die Angriffe derVernunft.
Aber auch jede Regierung empfindet eher eine Hinneigungzu absoluten, als zu freien Religionen. Denn jede Regierungliebt als solche das bestehende, die Stabilität. Daher die Er-scheinung, daß auch in den freieste!: Staaten die absoluten Reli-gionen mehr begünstigt werden, als die Vernunft-Religionen.
Eigentlich sollte es nur eine absolute und nur eineVer°nnnft-Religion geben; denn das Absolute an sich ist unbedingtund unumschränkt, und es giebt nur eine Vernunft.
So ist es aber nicht. Wir finden auf der Erde viele Reli-gionen, welche auf unmittelbar göttlicheil Ursprung Anspruchmachen, und die Vernunft der Völker steht auf verschiedenen Stufen.
Die absoluten Religionen stehen im Kampfe miteinander.Einander widersprechende Offenbarungei: des untrüglichen Un-endlichen kann es nicht geben. Wer sich daher zu der einen be-kennt, muß die andere für falsch halte,:. Der Gegensatz zwischenden Vernunft-Religionen ist bei weitem weniger schroff. Siegehen ineinander über, eine entwickelt sich in die andere, ihrGegensatz ist eii: fließender.
Die Religionen der Christen, Muhamedaner undJuden sind geoffenbarte oder absolute Religionen. Von derchristlichen, muhamedanischen, jüdischen, d. h. von derReligion Jesu, Mnhameds, Mosis läßt sich dieses in demselbenGrade nicht behaupten; die Sache ist streitig, wird bestritten.
Die Hauptparteiei: unter den Christeil sind die katholischeund die evangelische, und in letzterer die lutherische und refor-mierte. Die Religionen derselben fußen auf unabänderlichen