357
gehenden Unterrichte immanent, was jeder zugeben wird, der sichvon dem herkömmlich freilich beschränkten Begriffe von Religion,Religionsunterricht und religiöser Bildung frei zu machen ge-wußt hat. Die Schule hat zwar aufgehört, eine Anstalt derKirche zu sein, aber sie hat nicht aufgehört, religiös zu sein. —
Unter diesen Umständen kann also von einer gerechten Ur-sache zur Entstehung des Mißtrauens der Religionsgesellschaftengegen die nach den neuern Bestimmungen zu organisierende Volks-schule nicht die Rede sein. Nur die Besorgung und Überwachungdes Religionsunterrichts an der Volksschule giebt Veranlassungzu der Besorgnis, daß dadurch Konflikte zwischen der die Schuleüberwachenden Behörde oder dein Lehrer und der Geistlichkeitentstehen tonnten, und ich muß bekennen, daß mir von der Artdieses Verhältnisses keine klare Vorstellung beiwohnt. Das inAussicht gestellte Unterrichtsgesetz wird diese Schwierigkeit lösenmüssen. Der Entwurf der Grundrechte für die Völker des öster-reichischen Staates beseitigt sie durch die unzweideutige Bestimmung:„keiner religiösen Gesellschaft darf ein leitenderEinfluß auf öffentliche Lehranstalten eingeräumtwerden". Andere Fragen bleiben freilich daneben auch nochunbeantwortet. Ich verstehe die oben angezogene Bestimmungunserer Verfassung so:
Weder von einer Emanzipation der Schule von dem reli-giösen Geiste, noch von dem Ausschluß des kirchlichen Religions-unterrichts von der Volksschule ist die Rede. Die Erteilung desletzteren und die Vorkehrungen dazu bleiben den betreffendenReligionsgesellschaften überlassen, welche ihn nicht im Namendes Staates, sondern im Auftrag ihrer Kirche übernehmen undbesorgen. Nicht anders verträgt es sich mit der ausgesprochenenLehr- und Religionsfreiheit, welche einmal verlangt, daß es denReligionsgenossen unverwehrt sei, ihren Kindern den Unterrichtihrer Genossenschaft oder Partei (ob aber darum in der Volks-schule?) erteilen zu lassen, aber zugleich zweitens erheischt, daßder Staat keiner Religionsgesellschaft als solcher eine bevorzugteEinwirkung auf die Schule gestatte. Dein eben berührten Kon-flikte wird dadurch in der Regel vorgebeugt werden, daß die