Währung einen größeren, lohnenderen Reiz, als die Befriedigungeines so edlen Bedürfnisses, welches, zum Zeichen seiner Wahrheitund Dringlichkeit, ebenso sehr aus lebendigem Gefühl als ausklarer Erkenntnis hervordringt.
Also gründlichere Bildung der künftigen Lehrer!
Es würde zu weit führen und dem Zweck einer flüchtigenBroschüre nicht entsprechen, wenn ich darüber mich ergehen wollte.Ich begnüge mich daher mit einigen Andeutungen.
Der Unterschied zwischen „Theorie" und „Praxis" muß inden Seminaren ganz schwinden. Er ist nichtig in sich, er istnoch ein Stück von dem Gelehrtenzopfe, welcher allen Lehrernvon den Universitäten angebunden wurde. Von theoretischer undpraktischer Lehrerbildung muß gar nicht mehr gesprochen werden.Aller Unterricht, alle Anweisung soll praktisch sein. Daspraktische, d. h. auf das innere und äußere Leben Anwendungzulassende Moment des Lehrens ist ein wesentliches, konstitutivesMerkmal alles wahren, bildenden Unterrichts. WesentlicheMerkmale braucht man nicht besonders hervorzuheben. ManchenSeminarlehrern aber freilich muß das Wort: „aller Unterrichtmuß praktisch sein" fortwährend in die Ohren gedonnertwerden. Denn was wird nicht auch jetzt uoch in ihren Anstaltenvon totem und tötendem Gedächtniskram, von theoretischem Wustaus der Psychologie und Anthropologie, von geschichtlichem, geo-graphischem und naturhistorischem Wissen rc. gelehrt! WahreLehrer beschränken den Lernstoff auf das Notwendigste, auf diebleibende Grundlage alles Wissens, und treiben dieses gründlichst.Was er weise verschweigt, zeigt mir den Meister, nicht nur desStils, sondern auch des Lehreus. Aber leider fruchten solcheWarnungen nichts, solange man theoretisch gebildete, ge-lehrte Männer, solange man irgend andere als durch-weg praktische Lehrer an den Seminaren anstellt. Ein un-praktischer Lehrer hat keine Vorstellung von dem, was praktischeLehrer praktisch nennen. Lange Ermahnungen, Strafpredigtenund Salbadereien halten jene auch für praktisch, sie meinen damitgebessert zu haben. Man kann es noch alle Tage erleben. Soweitsind viele noch zurück in der Praxis der Anschauung und des Thuns.