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Bewußtsein des Gereifte» nicht mehr halten läßt, ist eben un-wahr — endlich dem Herangewachsenen als solche, nämlich alsfalsch erscheine. Wie aber, wenn das nicht der Fall ist, wenn erdas Unwahre für wahr hält, oder, was bei mit der Muttermilcheinfiltrierten Sätzen so leicht geschieht, sich überredet, daß er siefür wahr hält und sie vor sich und anderen zu rechtfertigen flicht?— Dann, iir diesen häufigen, tausend- und abertausendfachenFällen pflegt es so zu gehen: Wo man mit dem Verstände nichtweiter kann, da geht inan mit der Phantasie heran, kleidet dasnackte Dogma in Bilder ein, sieht sie als Symbole an und giebtihnen eure mehr oder welliger plausible Deutung. Oder mailkapriziert sich, ein Gläubiger sein zu wollen; Pietät gegen dieEltern und Lehrer pflegt diese Kaprice zu unterstützen; mall wirdlind bleibt pru- koi-L6 ein Gläubiger Abergläubiger, lind manwendet alle Mittel der Bildung und alle Kunst des Denkens dazuan, den Aberglauben zu verteidigen, zu rechtfertigen — die (manfügt das Prädikat mit Schmerz bei) christliche Sophistik istzur Welt geboren, und sie erzeugt wieder ein künstliches, gelehrtesSystem, hinter dessen Schwächeil schwer zu kommen ist.
Die christliche Sophistik! Das ist Bibelwort, spricht sie,die Bibel aber ist Gottes Wort; das ist Ausspruch uuserer sym-bolischen Bücher, und der heilige Geist hat ihre Authentizität be-wacht. Und das sophistische, intrigante, ränkevolle, fanatische,verketzernde, kurz wahrheitslose und wahrheitswidrige Denken istda! Für diese Ausgeburt naturwidrige» Lebens existiert allesdas nicht, was ein Widerspruch ist für den einfachen, natürlichgebliebenen Menschensinn. Was einen Widerspruch enthält, aberaus obigen Veranlassungen für wahr gehalteil oder für wahrausgegeben wird, erregt die Phantasie in der furchtbarsten Weiseund macht den Eindruck der „Tiefe", von der unsere Pietisteil soviel zu sagen wissen. Das Dunkele, Widerspruchsvolle, Unnatür-liche ist übernatürlich, mystisch, spekulativ, iu ihren Augen tief,das Natürliche, Einfache, Gesunde dagegen ist ihnen ordinär undflach. Ol'öcko, Hni kl, kltzsnrciunl S8t — davon ist man dann nichtmehr weit entfernt, und, wenn einige Alllage dazu vorhanden ist,so fehlt mit dem Lobpreiseil der Gläubigkeit und der damit ver-