Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
Seite
324
Einzelbild herunterladen
 

324

bei etwas vorstellt, hinterher aber verschwin-den sie aus seiner Überzeugung, weil sie sichmitreiferer Erkenntnis nichtvereinbaren lassen.

Von dieser Art sind, um Beispiele zu nennen, die Lehrsätzevon derHöllenfahrt" und von derAuferstehung des Fleisches".

Das dem Lehrer vertrauende Kind nimmt sie ohne weiteresan. Im Innern der Erde brennt ein Feuer als Ortewiger"Qual für die Bösen unter der Regentschaft des Teufels, der anden Schrecken der Finsternis (trotz des Feuers!) seine Freudehat, und dermaleinst wird der ins Grab gesenkte Leib mit der inden Himmel oder in die Hölle oder sonstwohin gewandertenSeele wieder vereinigt. So denkt es sich das Kind.

Aber nachher?

üm die Myriaden von menschlichen Leibern aufzunehmen,müßte die Erde hohl sein. Aus dem astronomischen Unterrichterfährt der denkende Schüler aber, daß die Erde mit der Tiefeimmer dichter und dichter wird. Auch thut die lebendige Vor-stellung der Vaterliebe Gottes gegen jenen alten Glauben einenEinspruch von solcher Macht, daß sie zum Verbleiben nicht zu be-wegen ist, sie zieht ab. Mit ihr aber nicht die Erinnerung anden traurigen Unterricht, dem man solche harte Dogmen verdankt.

Ebenso geht es mit dem zweiten Lehrsätze. Kein Atomkann, lehrt überzeugend die Physik und auch eigenes Nachdenken,an zweien Orten zugleich sein. Nun aber gehen die Atome, auswelchen der Leib des Menschen besteht, in andere Körper, auchin andere menschliche Leiber über. Wie nun? Der Lehrsatznimmt seinen Abschied, er verläßt den Hirnkasten des Menschen,läßt aber den Unwillen über solchen widerspruchsvollen Unter-richt zurück, der wahrlich nicht geeignet war, den Wahrheitssinn,das Gefühl für das Wahre, Ewigbleibende zu stärken. Sollte dasDogma aber nicht ganz Abschied nehmen, nur bezweifelt werden,so liegt darin die Schwächung des Wahrheitsgefühls auf offenerHand.

Vierte Art: Die Sätze werden im Angenbli.ck desLehrens und Lernens zwar nicht verstanden,aber doch nachher.