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2 (1890)
Entstehung
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etwa besaßen, es geht verloren, es kommt ihnen mit den Jahren,die doch sonst überall Erfahrung lind Blick vermehren, gänzlichabhanden. Ich könnte darüber merkwürdige Zeugnisse ablegen,wenn es hierher gehörte. Das bloße Nachdenken kann von derWahrheit dessen, was ich nicht aus den Fingern gesogen, ur-sprünglich selbst nicht geglaubt, sondern erlebt habe, überzeugen.Es mag manchen wie eine Blasphemie klingen, aber es ist wahr:Kein Aken sch hat so wenig Urteil über die Natnr-beschafsenheit der Jugend als der orthodoxeLehrer.Erl trägt Scheuklappen an dem Kopfe, er sieht nur das eine, aufdas seine steifen Augen hingezwungen werden, für alles anderefehlt ihm das Auffassungsvermögen. Wer in der einen RichtungDauti ist, ist es ihm in allen. Gebricht es aber da, d. h. kannderselbe unverstandene Massen nicht aufnehmen, nimmt er nichtallesgläubig" an und hin so ist der Lehrer mit seinem Ur-teil fertig: der Schüler taugt nichts. Gottlob: das Lebeninacht das Urteil der Orthodoxen häufig zu Schanden. Will maneinen Lehrer bornieren, so muß man es darauf anlegen, ihn zueinem sogenanntenGläubigen" im gewöhnlichen Sinne desWortes zu machen. Urolmtnm sst.

2. Überlegen wir, welche Wirkung die schlechte alte, mncmo-nische, aufzwängeude Methode des Unterrichts auf die wichtigsteSeite der sittlichen Bildung ausübt, ausübeu muß! Diese wich-tigste Beziehung ist die Entwickelung des Wahrheitssinnesder Jugend. Was ihn stärkt, wirkt veredelnd, was ihn schwächt,verderblich, und zwar so, daß dadurch der Boden der Sittlich-keit nicht bloß unterhöhlt, sondern weggenommen wird. Der Sinnfür Wahrheit, im Denken und Reden, wie im Handeln, ist dieinnere Sittlichkeit, ist ihr Wesen selbst. Die Beurteilung einerVerfahrungsweise in diesem Bezüge trifft daher den Kern unddas Ziel aller Menschenbildung. Unsere Frage ist die: Wiewirken unverstandene, dem jungen Menschen ein-gegebene Sätze auf das Gefühl oder den Sinn fürWahrheit?

Untersuchen mir die verschiedene Art dieser Sätze! Sie istvierfach.