Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
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düng sind? Was für Früchte kann man von solchen: Unterricht, vonsolcher Abrichterei, von solchem sinnlosen und darum gewiß auchnaturwidrigen und gottlosen Unterricht erwarten?

Der Ate»sch verdummt durch solchen Unterricht. Kinder,die bei dem Eintritt in eine solche Schule, welche von solchemReligionsunterricht Farbe und Stimmung erhält, eine entzückendeLebendigkeit, Natürlichkeit und Verständigkeit besaßen: gehet hin,und betrachtet sie nach einem halbe», einem ganzen Jahre wieder!

Ist es gesunde Bildung des Verstandes, den Unterrichts-stoff, der doch nicht fertig von: Himmel gefallen, sondern, wiealles andere Wissen, allmählich und auf natürliche Weise entstandenist, als fertige, vollendete, äußere Ware in positiver Weise demSchüler zur Aufnahme vorzusetzen und von ihm zu verlangen, sieauf sich ohne Prüfung überzutragen? Ist Verstand in dieserpositiven, dogmatischen Weise? Wäre es nicht vernünftiger,der Natur des Menschen zusagender, darum bildender, die Lehr-weise mit der Art der menschlichen Entwickelnngsweise in Har-monie zu bringen? Die rationelle Wahrheit aus seinem eigenenInnern schöpfen, sie in Übereinstimmung mit seinem Wesen er-kennen zu lassen? Gewiß und zuverlässig; auch schon darum,weil das für den Menschen verbindlicher und ergreifender ist,was er in sich selbst entdeckt, als was ihm äußerlich als ein Be-fehl angekündigt wird. In derselben Weise, wie sie gefunden,entdeckt und ans Licht gebracht wurden, soll die Wahrheit an dieJugend gebracht werden. Was aus dem Innern entstanden ist,soll auch innerlich erkannt werden. Das ist Bildung, nämlichinnerliche, wahre. Jede andere Weise wirkt nicht Befreiung,sondern Knechtschaft, die schändliche Knechtschaft durch äußerliches,angelerntes Wissen. Sich von derselben zu befreien ist schwerer,als äußerliches Sklavenjoch abzuschütteln. Denn dieses fesseltnur den Leib, jenes aber den Geist. Wehe der Lehrweise unddem Lehrer, durch welche der Geist geknechtet wird!

Aber sie (die Lehrer, und wer noch?) haben Augen undsehen nicht. Ihre Methode rächt sich an ihnen selbst und zwarauf eine stauuenerregende, erschreckende Weise. Was sie von psycho-logischem Blick und von richtiger Beurteilung der Kindesnatur

Diesterweg, Ausgew. Schriften. 2. Aufl. II. 21