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2 (1890)
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stimmen, er wird ihn für nichts Besonderes erachten. Aber ichbitte ihn, den Wahrheitsfreund, doch, einmal einige Augenblickestille zu stehen, und das Verhalten vieler zeitgenössischen Lehrer(das Wort im weitesten Umfange genommen), jenem Grundsätzegegenüber, zu betrachten und zu überlegen! In welches Erstaunengerät mau dann, gerät man dann ohne Lust und Wahl! Inwelches Erstaunen, wenn man wahrnehmeu muß, daß so viele, jadie meisten, fast alle, gerade solche Historien, welche von Tausen-den von Menschen, von aufrichtigen, denkenden Menschen, vielleichtvon Millionen, wohl gar von der Mehrzahl aller Menschen, diegelebt haben und jetzt leben, augezweifelt wurden und bezweifeltwerden, mit dem größten Eifer, mit der höchsten Ent-schiedenheit als die uuzweifelh aftesten, als eigeut-lich untrügliche Th atsachen und Begebenheiten dar-stellen, der unbefangenen Jugend als solche darstellen und auf-nötigen ! Ist das, muß der unbefangene Wahrheitsfrennd fragen,unbefangene Wahrheitsliebe? ist es Vertrauen zur objektivenWahrheit, die, als solche, ihrer Natur nach sich aus eigener KraftBahn zu machen weiß? ist das Wahrhaftigkeit, der unwissendenJugend gegenüber, die auf das Wort des Lehrers schwört? istWeisheit in dem Verfahren, da dem denkenden Schüler, wenn erherangewachsen ist, die Zweifelhaftigkeit der für untrüglich aus-gegebenen Thatsacheu nicht verborgen bleiben kann? Ichmuß alle diese und noch viele andere Fragen verneinen; ich mußdie Zuversicht, mit welcher die Lehrer zweifelhafte Dinge alsewige Wahrheiten darstellen, anstauneu, ich muß die Dreistigkeit,*

* Sie hängt mit der Ungeheuern Lügenhaftigkeit unserer Tage, mitder religiösen und politischen Heuchelei zusammen.Würden wir unsnicht dem Spotte und der Verachtung aller Verständigen aussetzen,wenn wir, bei dem Lichte unserer Zeit und bei den so großen Fortschrittenin andern Wissenschaften, noch immer behaupten und wiederholen wollten,was nunmehr jeder, der nur einigermaßen über die Religion nachzudenkengewohnt ist, für falsch erkennen muß? Bei gewissen Formeln und Vor-stellungsarten, die zu den Zeiten unserer Väter noch unanstößig waren, dieaber jetzt den meisten unter unseren Zuhörern Unwissende und Schwacheausgenommen äußerst anstößig sind, unveränderlich zu bleiben: daswäre die strafbarste und unverantwortlichste Heuchelei."Rosenmüller, anno 1791!