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Wahrheiten wie empirische oder gar wie historische behandeln,ist schädlich, es entehrt den Lehrergeist.*
Wichtiger noch als die eben angedeuteten didaktischen Regelnsind die Bemerkungen: 1) historische Thatsachen, ihrer Naturnach auf Treu' und Glauben angenommen, erlangen nie imGeiste die unmittelbare Lebendigkeit und innere Wirklichkeit, wiedie Wahrheiten, welche durch eigene Erfahrung und eigenes Nach-denken gewonnen wurden; 2) zweifelhafte, d. h. bezweifeltehistorische Thatsachen dürfen niemalsfür unbezweifelt e,untrügliche Wahrheiten ausgegeben werden.
Ich zweifle nicht, der Leser, dem als Lehrer die Eigenschaftder Wahrhaftigkeit über alles geht, den sie, die hehre Eigen-schaft, über alle Rücksichten erhebt, wird dem letzte» Satze bei-
* Um die Wirkungen des Vorsagens (Vordenkens kann man nichtbehaupten) kennen zu lernen, besuche man Schulen, in welchen es herrscht.Die Schüler solcher Schulen wollen in der Regel alles vorgesngt habe».Gescheite Menschen wollen aber nichts vorgesagt und vorgedacht haben.Gescheite, in natürlicher Verfassung erhaltene Kinder auch nicht. Darauserkennt man, was und wie solche Schulen wirken und woher das kommt.Von der Manier des Vorsagens oder des noch leichteren Auswendiglernensund darauf folgenden Herschnntterns unioono im Chore weiß eine gesundePädagogik nichts, ja, sie ist davon so weit entfernt, daß sie Mißtrauenfassen lehrt nicht nur gegen die Sache, die sich also traktieren läßt und zwarJahrhunderte lang, sondern auch gegen die traktierenden Personen. Es istdie Manier der Faulenzerei und Denkscheu. Warum wendet man die gött-liche, weil anregende, erzeugende und Geist-entbindende, befreiende Methodedes Lehrfrags-Unterrichts nicht mehr an, warum hat man sie orthodoxerSeite fast in förmlichen Verruf gethan? Ich kann das nicht wissen; aberdas weiß ich, daß diese Thatsache ein Helles Schlaglicht auf die, von denendiese Verfehmung ausgegangen, wirft. Dank, Anerkennung und Ehre demKonsistorio in Koblenz, das schon vor Jahren, aber wie die Erneuerungschließen läßt, ohne den rechten Erfolg, auf die Unkunde der Predigtamts-kandidaten in der Katechetik und auf den dadurch schlechter gewordenen Reli-gionsunterricht hingewiesen hat! Aber das fehlte noch, daß ein Schulratspekulativ die Entdeckung machte, daß alles Fragen in den Schulen dummund verwerflich, daß dem Unwissenden alles vorgesagt und von ihm laut-getreu aufgefaßt und gelernt werden müsse, und daß er bei den Lehrernseines Bezirkes diese Methode durchzusetzen versuchte. Ich sage, das fehltenoch. Wenn das von den Sachkennern (?) geschieht, was ist dann von denLaien der Schul- und Ullterrichtskunde zu erwarten?