308
durch zu nützen, ohne dadurch den dringenden Bedürfnissen des-selben vollständig zu genügen.
Hier bin ich nun wieder an einer Stelle angekommen, woich die rechten Worte, wie schon früher einmal, nicht gleich zufinden weiß — wegen der Empfindlichkeit der betreffenden Per-sonen. Will ich diese berücksichtigen, so muß ich die Wahrheit,die oft gesagte (aber noch nicht oft genug gesagte, weil nicht be-folgte) Wahrheit, verschweigen, wenigstens beeinträchtigen; sageich aber meine Meinung geradezu, so ergreife ich eine glühendeKohle. Es kann aber alles nicht helfen; rechtschaffene Männerbeleidigt inan nur durch Rückhaltigkeit, nicht durch Offenheit*.
Die Geistlichen sollen die Schulen inspizieren, nach wie vor,allein und ausschließlich. Können sie die namhaft geinachtenAufgaben lösen?
Sie konnten es solange, als man den Zweck der Volks-schule darin sah, dem Kinde die Heilslehren mitzuteilen undseinem Gedächtnis einzuprägen, außerdem aber ihm mechanischeFertigkeiten auf mechanische Weise anzueignen. Aber wer hältdiese beschränkten Zwecke und ihre Weisen jetzt noch für das Zieldes Volksschillunterrichts? Siriusweiten ist die neue Volksschuledavon entfernt. Was will sie? Nichts weniger als dies: Ent-wickelung und Übung der menschlichen, geistigenAnlagen und Charakterbildung — durch selbst-thätige Arbeit des Schülers, durch Erarbeitungder allgemein-menschlichen Bildungsmittel. Wer
* Da es wenige Pflanzen giebt, aus welchen kein Gift gesogen oderpräpariert werden könnte, — von einem, der sich darauf versteht —, sozweifle ich nicht, daß es möglich sein wird, dem vorliegenden Aufsatze einenfeindseligen Anstrich gegen das Christentum oder die Religion überhauptzu geben. Darauf erwidere ich, in besonderer Beziehung auf meinenHauptvorschlag, dieses: Die im Jahr 1830 in Kiel existierende, grundsätzlichantibiblische Partei der „Philalethen" ließ, weil es überhaupt nicht zu ver-meiden war, ihre Kinder möglichst früh konfirmieren, weil der nach ihrerAnsicht notwendigerweise nachteilige Eindruck dieser Handlung sich leichtwieder verwischen lasse, solange das Erkenntnisvermögen noch wenig ent-wickelt sei. —
Wahrheit und Wahrhaftigkeit stehen mit jeder wahren Religion invollkommener Harmonie.