298
monierenden Überzeugung: Knechtschaft und Sklaverei— begründet und bekundet mit einem Worte (einem starken,aber wahren): Mord am Seelenleben desMenschen,oder, nach obigein detailliert:
Verbrechen an den objektiven Berufsarten oder Funk-tionen des öffentlichen Lebens; Verbrechen an der Majestätder heiligen Wahrheit, welche nicht wie Geld und Gut alsverkäufliche, dienstbare Ware behandelt werden darf undin ihrer Reinheit nur in reinen Gefäßen Herberge sucht;Verbrechen an der Menschennatur und der freien Persönlich-keit der Einzelnen.
Die monströseste der hierher gehörigen Erscheinungen imLeben ist nicht die geschilderte Erziehung acl Iroo, sondern dieVorausbestimmnng acl lloo, zu einem Berufe oder zu andernImo, schon vor der Geburt, ja vor dem Anfänge der Möglich-keit des Anfanges der Existenz eines Menschen, die Thatsachez. B., um andrer nicht zu gedenken, daß Personen verschiedenenGeschlechts vor dein Schluß der Ehe über den künftigen Glaubenihrer Kinder verfügen: die sollen katholisch, die evangelischwerden — und richtig, wie beschlossen, also pflegt es zu ge-schehen. Diese Handlungsweise zu charakterisieren, dazu fehlt es,nach meinem Gefühl, der Sprache an Worten.
Mit dem Vorstehenden endigt inein Votum über die vor-liegende Angelegenheit. Mit ihr stehen aber einige andere Be-ziehungen in Verbindung, welche ich mir daher bei dieser Ge-legenheit noch kürz zu besprechen erlaube.
Der konfessionell-dogmatische Unterricht ist der Alp, der aufden Schulen lastet. Zwar fehlt noch sehr, sehr viel daran, daßdie Prinzipien der neuen Pädagogik, durch Locke, Rousseau,Basedow, Rochow und Pestalozzi eingeleitet und be-gründet, überall durchgedrungen wären; aber es existiert dochkein Unterrichtszweig inehr, der nicht ihnen gemäß bearbeitetwäre, und nichts hindert den Lehrer, die beste Bearbeitung einesjeden in seine Schule einznführen. Nur der Religionsunterrichtleidet noch an altem Herkommen, alten Gebrechen. Nicht, alswenn nicht viel theoretisch Wichtiges für ihn geschehen wäre, aberin der Praxis ist von dem Besseren noch wenig zu verspüren.