Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
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desselben ans ihn. Denn von unfern Vorstellungen von denDingen hängen die Wirkungen dieser Dinge ans uns ab.

Das sind wird der Leser vielleicht denken lauter be-kannte, triviale Sätze. Gut, mein Lieber; aber was folgt darausund denkst du auch daran? Das folgt daraus, daß etwas Un-veränderliches in Natur- und Menschenleben, d. h. im ganzenDasein, annehme», Irrtum sei; daß wollen, daß etwas Un-veränderliches bestehe, sei es ein System, eine Einrichtung oderwas sonst, Thorheit sei; daß die einem verliehene Macht ge-brauchen, irgend ein Bestehendes unveränderlich zu erhalten, eineAuflehnung sei gegen das allgemeine Gesetz in Natur- undMenschenleben, d. h. Tyrannei.

Tie Natur ist nicht, sondern sie wird; die Menschheit ist nicht,sondern sie wird; die Wahrheit ist nicht, sonder» sie wird. DieNatur des XIX. Jahrhunderts ist eine andere als die des XVI.,-der Mensch des XIX. ist ein anderer als der des XVI.; dieWahrheit ist im XIX. eine andere als die des XVI. Stelle dichauf den Kopf, damit es nicht also sei; dekretiere, diktiere, fordre,daß es so bleibe, wie bisher gewesen; schnaube, rase und wüte,gebärde dich, wie du willst, es wird dir alles nichts helfen.Fortmußt du, deine Uhr ist abgelaufen." Drum sei kein Thor undkein Narr, noch weniger ein Tyrann! Es ist pädagogische Tyrannei,vorherbestimmen zu wollen, was ein einzelnes Kind werden soll,laß es wachsen und sich entwickeln! Es ist Narrheit, der Mensch-heit den Gang, den sie gehen soll, vorzeichnen zu wollen; laß siegehen! Es ist Wahn, Unsinn, Frechheit oder wie du willst, einenMenschen oder gar die Menschheit an unveränderliche Meinungenoder Einrichtungen binden zu wollen. Es giebt nichts Unveränder-liches, und folglich soll es auch nichts Unveränderliches geben.Jenes ist das Gesetz der Welt; dieses sei Grundsatz für alles,was Menschen eingerichtet haben und einrichte»! Unabänderlichist nur der Tod, unveränderlich nur das Tote; was auf Leben,folglich auf Glück, Befriedigung, Wohlsein, Anerkennung undDank Anspruch macht, muß sich fügen dem Gesetze des Lebens,d. i. dem Gesetze der Veränderung, der Entwickelung und Fort-bildung.Nüt darf ewge Bstand ha." (Hebel.)