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Menschen will, wenn man so verfährt, wie herkömmlich ist? Manwird den, der daran zweifelt, keinen frivolen Spötter nennen,keinen Wahrheitsfeind. Im Gegenteile, er wird ans den (großen)Namen eines Wahrheitsfreundes Ansprüche haben; denn er be-thätigt den Grundsatz: „Die Wahrheit wird euch frei machen",sie behält den Sieg.
2) Der andere Fall: Das angelernte Bekenntnisbesteht die Prüfung nicht. Wie min? Was hat nun dasfrühe Bekenntnisabnehmen geholfen? Das hat es geholfen unddazu hilft es: Der Prüfende blickt im besten Falle mit Weh-mut ans seine frühe Jugend, seine Lehrer zurück, man hat ihnnach seiner nunmehrigen Überzeugung im Irrtum, im Aberglaubenerzogen — je größere Anlage zur Charakterentschiedenheit sich inseiner Natur vorfindet, mit desto größerer Energie wird er dasAngelernte, das er als entwürdigende Fessel betrachten muß, ab-schütteln, und die Folge davon wird sein: er wird zu weit gehen,eine extreme Richtung verfolgen — oder — und das wird derunter hundert Fällen gewiß fünfzigmal eintretende Fall sein —er wird gleichgültig gegen die Wahrheit, nämlich in allen denFällen, in welchen er die Schwäche der Gründe seines angelerntenGlaubens merkt, aber nicht Kraft genug hat, die Zweifel ganzzu überwinden und sich zur festen, neuen Überzeugung hinauf-zuwinden n. s. w. Wäre es nun nicht viel besser gewesen, manhätte bei ihn: die Zeit der Befähigung zur Prüfung abgewartet?Hätte man ihm nicht tausend Qualen erspart? Wer kennt sienicht, wer hat nicht durch sie gelitten? Hätte man ihm nichteine reine, heitere Zukunft bereitet? —
Ich überlasse diese Meinungen Ihrer Prüfling. Ich zieheaus ihnen nur noch die Folgerungen:
a. Das bisherige Verfahren ist falsch^ ist unpspchologisch,ist verderblich.
b. Es erzeugt blinden, die Menschenwürde entwürdigendenGlauben, Getrübtheit in den wichtigsten, höchsten, innerlichsten,privatesten Angelegenheiten, erzeugt in wilden Charakteren denHaß gegen Andersdenkende, Intoleranz, Fanatismus und dessenschreckliche Folgen.