hervorgegangen, die den Ruhm unserer Nation von der edelstenArt über die Ozeane getragen und es veranlaßt haben, daß,wie ehemals zu Pestalozzi, Männer fast aller Stände nachDeutschland und Preußen wallfahrteten, um sein Volksschul-wesen kennen zu lernen, und seine Art und Weise in ihre Heimatzu verpflanzen.
Die Volksschule des neunzehnten Jahrhunderts ist nach ihrerBestimmung und ihrer Tendenz Bildungsanstalt fürs Leben,Staatsanstalt. Sie ist es jetzt schon, nach ihrer wahren Auf-fassung bereits ganz, nach ihrer rechtlichen Stellung schon zumTeil. Sie wird es ganz werden. Es mag noch einige Jahredauern; dann wird man ein die Stellung der Volksschuleund folglich der Lehrer genau bestimmendes, die Rechte undPflichten der Lehrer streng bezeichnendes Statut erlassen, dessenerster Paragraph etwa so lauten wird:
Die Volksschule ist eine Staatsanstalt,* welche denGrund legt zur allgemein-menschlichen undbürgerlichen Bildung der Jugend allerStände.
Alles andere folgt aus dieser eine» Bestimmung — undall' Fehd' hat damit ein Ende, wenigstens die unerquicklicheFehde zwischen den Lehrern und den Geistlichen. Diese werdennach wie vor und hoffentlich ganz und gar der speziellen Seel-sorge obliegen;** jene werden hoffentlich ganz und gar den
* „Nicht auf dem Wege des freien Privatinstiluts, sondern auf demder Staatsschule, die die Lehrfreiheit im ganzen nicht viel gedrückt unddie Freiheit der Lehrer, die ebenso wichtig ist, garantiert hat, hat Deutsch-land eine solche Verbreitung des Unterrichts und zugleich Gründlichkeit derBildung erhalten, daß nun, wie die freien Engländer uns gewöhnlich unserefreiere religiöse Kultur beneiden, so die Franzosen unser Schulwesen nach-ahmungswert gefunden haben, und daß derjenige, der ohne Schwarzsüchtig-keit und Morosität in den menschlichen Dingen nicht das Ideal, sondern dasWirkliche und unter Menschen Mögliche im Auge hat, gestehen wird, es seiin ausgedehnteren Volksmassen niemals ein ähnlicher Zu-stand gewesen."
Gervinus, neuere Geschichte der poet. National-Litteratur, Leipzig, 1842.
** Und zwar in pädagogischem Geiste. Denn auch der Geistliche wirktnur soviel und soweit, als er (in seiner Weise) Pädagog ist.