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2 (1890)
Entstehung
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Grund zur allgemeinen Menschenbildung legen soll, muß selbstein gebildeter Mensch sein, ein intelligenter, moralisch-religiöseroder sittlicher, ein thatkrästiger Mensch, ein Mann von päda-gogischer Einsicht und von pädagogischem Geschick. Die moderneSchule muß die alten Schulhalter, die ehemaligen Handwerkerund Unterosfiziere, die Küster und Hirten verwerfen sie willLehrer, Männer, welche geistiger Bildung teilhaftig gewordensind, dem Beruf ausschließlich ihr Leben widmen lind demselbenmit pädagogischem Geiste obliegen. Dazu gehört außer der all-gemeinen Menschenbildung die Kenntnis und Fertigkeit in denpädagogischen Berufswissenschaften. Denn das ehemalige Schul-handwerk ist in theoretischer Beziehung eine selbständige, freieWissenschaft, in praktischer eine edle Kunst geworden. Die neueSchule hat mit der alten nur das eine gemein, daß der sittlich-religiöse Unterricht als ein Moment in ihr fortdauert; aber wiehimmelweit verschieden ist auch diese Kunst von der alten Ab-richterei und äußeren Dressur! In allem übrigen ist sie ein neuesInstitut, neu ihre Tendenz, neu ihre Lehrmittel, neu ihre Ver-fahrungsweise», neu ihr Geist folglich auch (dein Strebennach) neu ihre Stellung. Ihr inneres Wesen aus der Kircheableiten, verrät eine ebenso große Unkenntnis des Wesens derKirche wie des Geistes des achtzehnten Jahrhunderts. Die moderneSchule ist so wenig eine Tochter der Kirche, so wenig derProtestantismus ein Sohn des Papsttums ist, obgleich Schuleund Protestantismus aus Kirche und Papsttum hervorgegangenlind. Die neue Schule ist als eine Tochter des nicht versteinerten,sondern des fortgebildeten protestantischen Geistes, oder als einErzeugnis der Ehe des wissenschaftlichen, auf die praktischeMenschenbildung Hingerichteten Geistes mit der protestantischenDenksreiheit zu begreifen. Die jetzige Schule in ihrer Tendenzund Einrichtung mit der alten identifizieren und sie in der alten,damals naturgemäßen Stellung belassen wollen, heißt, die Ge-schichte ins Gesicht schlagen und die natürlichen Forderungen desneuen, aus der Zeit hervorgetriebenen, darum in sich berechtigtenInstitutes leugnen heißt vergebens gegen den Strom schwimmen,heißt den Fluß des neunzehnten Jahrhunderts eindämmen wollen.

Diesterweg, Llusgew. schrillen. 2. Ausl. II. 16