heit vereinigen, daß die Thatkraft der in ihrer Wesenheit er-kannten Wahrheit folgt, legt der Lehrer den ganzen Accent seinesWirkens auf den Unterricht. Er ist Lehrer in diesem Sinne,nichts als Lehrer, und in dem Maße, als er dieses ist, ist erErzieher. Die didaktische Kraft ist auch die disziplinarische, dieDoktrin die Disziplin. Jeder wahre Unterricht ist Geistcs-gymnastik, Lebens-, Charakterbildung.
6. In der Fertigkeit des Unterrichtens und Übens zu wachsen,ist daher des Lehrers beständiges Augenmerk; die Subjekte oderdie Schüler für .das Objekt oder den Unterricht ganz und garzu gewinnen, sein Streben; der Mittelpunkt seines Denkens undStrebens ist die Vermehrung seiner Kenntnisse, Einsichten undGeschicklichkeiten; mit dem, was die Gegenwart an Neuem undBesserem hervorbringt, bekannt zu werden, ist ihm Bedürfnis;wer ihn kennen lernen und würdigen wilU muß ihn in seinerSchule aufsuchen, ihn als Lehrer beurteilen; wer ihn belehrenwill, muß ihn als Lehrer belehren; wer ihn auch in seinenhäuslichen und übrigen Beziehungen aussassen will, muß in ihmden Lehrer sehen.
Werfen wir nach diesen kurzen Andeutungen die Frage auf:Wer ist imstande, den dadurch erkennbaren, aus diesem Zentral-punkte sich entwickelnden, mit Notwendigkeit und Energie hervor-drängenden Bedürfnissen des Lehrers zu genügen; wer ist alleinimstande, ihn ganz und vollständig auszufassen, zu verstehen, zuwürdigen und folglich zu leiten; wer allein kann sein Magnet,der Gegenstand seines Vertrauens wie seiner Hinneigung sein,die Sehnsucht, sich an ihn anzuschließen, befriedigen, mit andernWorten: wo ist der Mann zu finden, der dem Lehrer vonheute das sein wird, was dem Lehrer von ehemals der geist-liche Schulinspektor war, so giebt es darauf keine andere Ant-wort als die:
Dies ist der Lehrer und kein anderer.
Nur der Lehrer kann den Lehrer verstehen, richtig auffassenund würdigen. Nur der Lehrer kennt des Lehrers Stellung, Be-ruf, Sorgen und Mühen. Nur der Lehrer kann den Lehrer be-lehren, leiten und seine innersten Bedürfnisse befriedigen. Nur