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Strebungen der Menscheimatur entspricht; diese werden dieEinwirkungen (Erziehung) gut nennen, welche den natürlichenStrebungen widersprechen und widerstreben.
In letzterem Falle kommt man bei Konsequenz auf den Ge-danken: die natürlichen Triebe zu vernichten. Da aber dasLeben in den Trieben besteht, da das Lebendige das Treibendeist, so hieße dieses: das Leben vernichten.
Diese Ansicht muß also sofort auf die Konsequenz verzichten.Wie nun?
Wie bildet man die natürlichen Strebungen um, wie giebtman den treibenden Kräften eine andere Richtung, d. h. wieändert man ihre Natur? Durch welche natürliche (!) Ein-wirkungen änoert mau total die Menschennatur?
Die Entstehung dieses Problems ist eine notwendige Folgeder Annahme einer radikal verdorbenen Menschennatur. DieLösung dieses Problems ist die Aufgabe dieser Erzieher.
Bis heute hat sie keiner gelöst, d. h. keiner hat begreiflichzu machen gesucht, wie aus natürlichem Wege, durch natür-liche Mittel, die Menschennatur umgeschaffen werdenkönne.
Diese Thatsache konnte nur zwei Folgen haben: entwedermußte man die Grundansicht aufgeben, oder zu übernatür-lichen Einwirkungen seine Zuflucht nehmen. Was der endlicheMensch nicht vermag, weder einzusehen noch zu bewerkstelligen,vermag doch die Allmacht (die Gnade) — ineinte man. Hier istzu bemerken: wenn man das Streben nach dem Begreifen auf-giebt, so hört das Begreifen wirklich auf.
Die, denen jenes nicht möglich ist, wenden sich von der An-nahme einer radikalen Verdorbenheit ab, gehen entweder zumgeraden Gegenteil über, oder bleiben in einer gewissen Mittestehen.
Auf dem letzteren Standpunkte entsteht nun ein Hin undHer, eine Annäherung zu dem einen oder andern, teilweise Lösungder Aufgabe, teilweise Nichtlösung — kurz die Mannigfaltigkeitder Ansichten und die Verschiedenheit der Verfahrungsweisen derheutigen Erzieher. Auf Übereinstimmung aller in allem mußverzichtet werden. —
Diesterweg, Ausgew. Schriften. 2. Ausl. I!.
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