220
sten, edelsten Seelen, die ich je auf Erden gesehen, an meinerSeite für ihre ganze Lebenszeit unglücklich machten." Was fürSchwerter mögen das Herz dieser Frau durchbohrt haben! Aber,ob alles ihn verlies; und aufgab, sie verließ ihn nicht, sie gabihn nicht auf. Sie kannte lind lebte die tiefe, beherzigenswerteWahrheit: „Das Menschenkind kann alles ansstehen, Not undKrankheit und Fenersbrnnst und Gewaltthat; aber von seines-gleichen verstoßen sein, das kann das Menschenkind nicht ans-stehen." (Jmmermann.) Gewiß, ohne sie hätten wir ihnnicht. Darum legen wir heute auch einen Kranz ans das Grabvon „Mutter Pestalozzi" zu Werdn» unter einem Nnßbanm,unter dem auch er lieben ihr zu ruhen wünschte — eine Sehn-sucht, die nicht erfüllt worden. Die Zeit verbietet es, ihnen nochAuszüge aus den Briefen, die sie an den Prediger Mnralt inPetersburg, einen früheren Lehrer des Instituts und einen ihrerFreunde, schrieb, und die abschriftlich in meinen Händen sind,vorznlegen, mich ist der der Frau Niederer in Genf, die alsFräulein Käst Hofer viele Jahre bei Pestalozzi gewohnt hat,und die vorzugsweise befähigt ist, ein Lebensbild von Frau Pesta-lozzi zu zeichneu, iu dieser Beziehung vorgetragene Wunsch nurzum Teil iu Erfüllung gegangen. Aber mit Zuversicht dürfe»wir in das Wort B l o ch m a n n S, das er in Pestalozzis Namenam Tage ihres Todes sprach, einstimmen:
„Hier versinkt mir zur Erde ein halb Jahrhundert von LiebeUnd ein Himmel von Treu', dauernd in jeglichem Sturm;
Seit ihr Herz sich, ihr Geist, in dem meinen verbunden:
Durch der Drangsale Nacht, durch der Verkennungen SchmachRettet die Treue den Glauben, in stillen Thaten der LiebeHalf sie fördern das Werk, das mir der Himmel beschied." —
Ist es, meine verehrten Anwesenden, nicht erhebend, aucheiner solchen Frau, eines solchen Verhältnisses zn gedenken! Unddabei auch die süße Pflicht zu erfüllen, neben den Namen solcherMenschen den einer dienenden Magd trendig nnd dankbar anzu-reihen, der Babeli, welche das dem sterbenden Vater gegebeneGelübde, die Mutter und den kleinen Heinrich nicht zu verlasse»,auf das treueste erfüllt hat. Pestalozzi, der Mann, hat ihrlebenslang ein treues Andenken bewahrt nnd die Gesinnung