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groß ist meine Pflicht, Ihnen die Möglichkeit der größten Gefahren, diehieraus für mich entstehen können, zu zeigen!
Meine liebe, meine teure Freundin, ich habe jetzt offenherzig vonmeinem Charakter und von meinen Bestrebungen geredet. Denken Sie allemnach! Wenn die Züge, die zu sagen meine Pflicht war, Ihre Hochachtunggegen mich verringern, so werden Sie doch meine Aufrichtigkeit schätzen undes nicht unedel finden, daß ich den Mangel Ihrer Kenntnis meines Charaktersnicht zur Erreichung meiner innigsten Wünsche mißbrauchte. EntscheidenSie nun, ob Sie einem Manne mit diesen Fehlern und in solcher Lage IhrHerz schenken und glücklich sein können!
Meine teure Freundin, ich liebe Sie von Herzen und mit einer Innig-keit, daß mich dieser Schritt viel gekostet hat; ich fürchte, Sie, Teure, zuverlieren, wenn Sie mich so sehen, wie ich bin; ich habe oft schweigen wollen,endlich habe ich mich überwunden. Mein Gewissen rief mir laut, daß ichein Verführer und nicht ein Liebhaber sei, wenn ich meiner Geliebten einenZug meines Herzens oder einen Umstand, der sie einst beunruhigen undunglücklich machen könnte, verschweigen würde; ich freue mich unn dieserThat. Wenn die Umstände, darein Pflicht und Vaterland mich rufen wer-den, meinem Streben und meinen Hoffnungen ein Ziel setzen, so bin ichdoch nicht niederträchtig, nicht lasterhaft gewesen, ich habe Ihnen nicht ineiner Larve zu gefallen gesucht, habe Sie nicht mit chimärischen Hoffnungeneines nicht zu erwartenden Glücks betrogen, ich habe Ihnen keine Gefahr undkeinen Kummer der Zukunft verschwiegen, ich habe mir nichts vorzuwerfen." —
Er war ihr recht; sie reichte ihm ihre Hand. Was magdiese Edle in dem bewegten, schicksalsvollen Leben Pestalozzisund bei den wechselnden Geschicken seiner Unternehmungen erlebtund empfunden haben, von 1769, dem Jahre ihrer Verheiratung,bis 1815, dem Jahre ihres Todes, in einem Zeiträume von 46Jahren! Schon die ersten Versuche Pestalozzis verzehrten, wieich oben schon angedeutet habe, den größten Teil ihres Ver-mögens; es kam soweit, daß sie mit den Armenkindern an Brotund Holz Mangel litten; allmählich verloren selbst seine Frenndealles Zutrauen zu ihm, inan hielt ihn für einen unpraktischen,zu allein unbrauchbaren Schwärmer, jedermann wich ihn: aus,wenn man ihn von ferne erblickte, man war der Meinung, erwerde im Jrrenhause sein Leben beschließen. Und dieser Zustanddatierte viele Jahre! Er selbst bekennt in seiner Aufrichtigkeitin seinem Schwanengesang (1826, S. 256), daß ihn die Erinne-rung an viele frühere Unternehmungen bis auf den heutigenTag mit Wehmut erfülle, „weil sie das Schicksal einer der rein-