Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
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216
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Pestalozzi selbst seine Sache sür einen unveränderlichen, inkeiner Hinsicht zn erweiternden oder fortzubildenden Abschluß füralle Zeiten gehalten habe. Ich versage es nur nicht, einen seinervielen in dieser Hinsicht gethanen Aussprüche mitzuteilen:

Keines Menschen menschliche Wahrheit ist die Wahrheit des andern;jeder soll die seine in sich selber vor Gott bewahren und in Frieden lebenmit dem, der dem Menschlichen in seiner Wahrheit widerspricht, und auch selbermit dem, der die Krone des Ruhms, die der Wandel der Zeit ihm mit Un-recht auf den Scheitel seiner Menschlichkeit und seiner Schwäche gesetzt, vonder Stirne reißt; wenn er edelmütig ist, er soll mit ihm in Frieden leben,auch wenn er ihm diese Krone seiner Menschlichkeit vor seinen Augen in denKot wirft und mit Füßen tritt. Ich fühle, daß das die Pflicht, der wahreEdelmut der Menschennatur ist. Ich will auch keine Ehre, ich will auchkeinen Ruhm, der mir nicht gebühret. Ich weiß, daß mein einfaches Denkenin Ansichten ins Auge gefaßt worden, wo'meine Geisteskräfte nicht hinreichen,selbständig mitzuwirken. 8n,u» auigue. Gott und mein Segen seimit jedem, der in irgend einer meiner Lieblingsansichtenweiter, als ich, sieht! Meine Ehre werde seine Ehre und mein Dankbegleite seinen verdienstvollen, mir voreilenden Gang! Nur soll ich das inmir selbst rein bewahren, was meine eigene Kraft ist, damit es nicht in derMenschlichkeit der Kraft irgend eines andern zu Grunde gehe, sondern mitder Göttlichkeit der Kräfte eines jeden andern mitwirke zum großen Ziel, daseinst hinter unser aller Grab alle Menschlichkeiten verschwinden machen undnur das Göttliche unsrer Bestrebungen bleibend erhalten wird- Ja, dafürsoll und muß ich mich Zusammenhalten im Selbstgefühl meiner Kraft, wennsie auch noch so klein ist, im Hochgefühl der Kraft Gottes, die mich auch inmeiner Schwäche belebt und mich bisher im Dankgefühl der Kräfte erhielt,die mir Gott in Tagen ihres höchsten Bedürfnisses gegeben; ja, im Dank-gefühl der mißkannten Kräfte, die Gott mir gegeben, will ich mich in der Selb-ständigkeit meiner Wahrheit und meines Rechts offen vor Gott und Menschenzu erhalten suchen. Ich war auch nicht ganz unglücklich im Thun meinerSchwäche, so sehr es durch die Begegnisse der Zeit erschüttert worden."

Keilt Mensch leistet alles, keiner genügt für alle Zeiten.Jeder trägt das Gepräge der Endlichkeit an sich. Diese Gewißheitwird uils nicht hindern, dafür dankbar zu sein, was einer Großesund Herrliches in seiner Art geschaffen hat. DasBuch derMütter", welches Pestalozzi geschrieben, mag auch in Anlage undAusführnng verfehlt erscheinen; seine Tendenz ist höchst wichtig,und das Buch selbst wird dadurch noch eine Bedeutung erhalten,wenn es gelingt, ein wahres und bleibendesBuch der Mütter"