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2 (1890)
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208
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Fähig sein, heißt nichts als Anlage zur Wahrheit haben; sichbilden heißt, diese Fähigkeit verstärken; g ebildet sein aber heißt, inuns die Möglichkeit zur Annahme aller Wahrheit hervorgebracht haben."

Die sichtbare Welt ist trüb; aber mit Hellem Blick braucht einer nichtlang zu forschen; in wenig Zügen erkennt er, was ihm verwandt ist. Aberwie erlangt man einen Hellen Blick? Mau muß die Natur anschauenund kein Vorurteil zulassen das giebt einen Hellen Blick."

Selbstdenken ist der höchste Mut. Wer wagt, selbst zu denken, derwird auch selbst handeln, und wer nicht selbst denkt, nicht aufs freie, ufer-lose Meer steuert mit seinem Geist, der wird die Gottheit nicht selbst er-reichen, nicht selbst handeln; denn sich nach andern richten, ist nicht handeln,handeln ist Selbstsein und das ist: in Gott leben."

Und jeder Begriff des Großen, Kühnen, der Lüge zum Trotz Reinen das ist mir ein Lebendiges, das mich anwirbt mit schmeichelnder Ver-heißung. Und was war dagegen, was man mich lehrte? ach, so un-faßlich, daß man eine Maschine sein mußte, um es nachzusprechen."

In diesen Gedanken spricht sie Pestalozzische Ansichten ans:Anregung der in der Kindesnatur liegenden Anlagen, Bestimmungderselben zu selbstthätiger Entfaltung, individuell-freie Entwicke-lung, unbekümmert um den Erfolg, mit vollem Vertrauen zu derMenschennatnr und den in ihr liegenden Gesetzen, ohne Zwang,ohne Vorausbestimmung des Zieles, mit Verachtung aller dieMenschennatnr verkrüppelnden, verzerrenden Maßregeln. Nurdas Natürliche, das Gewachsene, im Gegensatz des Gemachte»,das Individuelle, nicht das Uniforme, das Natur- oder Gott-gegebene, die Erziehung zur Selbstthätigkeit, zur Selbstbestimmung,zum Selbstdenken, ist ihr und ihm das Wahre, das Bleibende,das Echte.

Die Gedanken und Bestrebungen Pestalozzis folgen aus derunbedingten Achtung der menschlichen Natur. Deren Resultatesind: Aufmerksamkeit ans ihr Wesen und den Gang ihrer Ent-wickelung, das Lauschen ans ihre Gesetze, die strenge Befolgung,die Erforschung der allgemeinen und besonderen Bedürfnisse der-selben, das Suchen nach den Mitteln zu ihrer Befriedigungdenn Heil, Glück und Segen besteht nur darin, geht nur anseiner solchen Lage hervor, in welcher der Mensch sich frei-thätig»ach allen Seiten seiner innern Bestimmung entwickeln kann;das Gegenteil ist Beschränkung und Unglück. Die fernerenResultate jener Hochachtung der Natur und der Unterordnung