Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
Seite
207
Einzelbild herunterladen
 

207

nach seinem Tode, zur Schmach dieser Zeit bis zu diesem Tage,schwere Beschuldigungen zugezogcn hat. Bettiueu würde esnicht anders ergangen sein, hätte sie sich dein Lehrerberufe ge-widmet. Nach ihrer und Pestalozzis Ansicht kann und soll manKinder verschiedener Konfessionen zusammen erziehen und unter-richten, der erste, begründende Religionsunterricht soll keine kon-fessionelle Farbe haben. Aber die Heutigen (die trotzdem, d. h.in merkwürdiger, nur ihnen nicht fühlbarer Inkonsequenz dieErziehung und Bildung acl sioo verwerfen) behaupten, daß geradedann die Unmittelbarkeit, die Anschaulichkeit fehle. Sind wirin dieser Beziehung fortgeschritten oder znrückgegangen? Ichsollte meinen, wenn sich einer ans unmittelbar anschauliche Leben-digkeit verstand, so war es Pestalozzi.

Das scheint mir allein Erziehung: Kinder gleichen Alters, gleicherFähigkeit früh daran zu gewöhnen, daß sie auch gleiche menschliche Rechtehaben, sie mögen Juden oder Christen sein."

So spricht Bett ine von Arnim, und ihrem Grundsätzegemäß lehrte und wirkte Pestalozzi. Seine Unterrichtsgegenständewie seine Methode sind allgemein-menschlicher, universaler Natur.Er kannte keine Erziehung, keine Bildung acl lloo, d. h. zu einembestimmten Stande, zu einem einzelnen Bekenntnis, kurz keine Artder Erziehung, welche die Menschen voneinander zu trennen,statt sie miteinander zu verbinden und zu einigen, geeignet ist.Seinen großen Grundsätzen gemäß soll inan mit der Grundlegungzur allgemeinen Menschenbildnng beginnen und es der späterenBildung, den höheren Anstalten, dem Leben und der Wahl dereinzelnen überlassen, die universale Bildung zu einer speziellerenauszumünzen.

Vernehmen sie noch eine dritte Ansicht Bettinens!

Was ist alle Politik gegen den Silberblick der Natur? Nicht wahr,das soll auch ein Hauptprinzip unsrer Religion senk (den Geist bilden, ge-hört auch zur Religion"), daß wir keine Bildung gestatten, d. h. kein an-gebildet Wesen; jeder soll neugierig sein auf sich selbst und soll sich zutagefördern, wie aus der Tiefe ein Stück Erz oder Quell; die ganze Bildungsoll darauf ausgehen, daß wir den Geist ans Licht hervorlassen.Gebildete Menschen sind die witzloseste Erscheinung unter der Sonne. EchteBildung geht hervor aus Übung der Kräfte, die in uns liegen."

Analoge Sätze aus demFrühlingskranze" sind diese: